„Entscheidungen“ – Ein Theaterstück über Sucht, Gruppenzwang und die Macht der ersten Entscheidungen
„Entscheidungen“ – Ein Theaterstück über Sucht, Gruppenzwang und die Macht der ersten Entscheidungen
Studierende der Oberkurse setzen sich mit dem Thema Sucht und Suchtprävention auseinander und erleben an der Fachakademie für Sozialpädagogik Hof ein berührendes Theaterstück der Naturbühne Trebgast
Wie entsteht Sucht? Welche Rolle spielen Gruppenzwang, persönliche Entscheidungen und das soziale Umfeld? Und wie schnell kann aus einem scheinbar harmlosen „Probier doch mal“ eine Entwicklung werden, die das ganze Leben aus der Spur bringt?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Theaterstück „Entscheidungen“ der Naturbühne Trebgast, das die Studierenden der Oberkurse der Fachakademie für Sozialpädagogik Hof erleben durften. Das Stück versteht sich als „Stück von und für Jugendliche“ und setzt sich auf eindringliche und lebensnahe Weise mit dem Thema Sucht auseinander.
Begrüßt wurden die Studierenden von Lis Wilczek, Standortleitung der Fachakademie für Sozialpädagogik Hof, sowie Tanja Hering vom Gesundheitsamt Hof, die zusammen mit ihrer Kollegin Frau Fischer auf das Thema Sucht und Suchtprävention aufmerksam machen möchten
Eine Geschichte über Nähe, Vertrauen und falsche Entscheidungen
Im Mittelpunkt des Zwei-Personen-Stücks stehen die Jugendlichen Patrick und Nuri. Sie lernen sich kennen, verlieben sich und beginnen, gemeinsam ihren Weg zu gehen. Doch Patricks Leben nimmt zunehmend eine andere Richtung. Was zunächst mit kleinen Entscheidungen und dem Einfluss seines Umfelds beginnt, entwickelt sich immer stärker zu einer Sucht.
Die Figur Patrick geht dabei auf eine reale Person zurück. Dadurch erhält die Geschichte eine besondere Authentizität und macht deutlich: Sucht entsteht nicht plötzlich. Häufig sind es viele kleine Schritte, die schließlich zu einer Entwicklung führen, die nur schwer aufzuhalten ist.
Das Stück thematisiert Gruppenzwang, erste Entscheidungen, Freundschaft, Liebe und die Suche nach Zugehörigkeit. Besonders eindringlich wird dabei die Frage gestellt, wo die Grenze zwischen einem neugierigen Ausprobieren und einem problematischen Konsum liegt.
Texte von Jugendlichen für Jugendliche
Eine Besonderheit des Theaterprojekts ist seine Entstehung. „Entscheidungen“ wurde in Kooperation mit der siebten Klasse eines Gymnasiums in Kulmbach entwickelt. Die Jugendlichen brachten ihre eigenen Gedanken und Texte ein, die während der Aufführung als Einspieler zu hören sind.
Dadurch bekommt das Stück eine besondere Perspektive: Jugendliche sprechen über Themen, die Jugendliche betreffen. Die Gedanken und Stimmen aus den Einspielern ergänzen das Bühnengeschehen und schaffen einen direkten Bezug zur Lebenswelt junger Menschen.
Für die angehenden Erzieherinnen und Erzieher war die Aufführung deshalb nicht nur ein kulturelles Erlebnis, sondern auch eine wichtige pädagogische Auseinandersetzung mit einem Thema, das ihnen in ihrer späteren beruflichen Praxis begegnen kann.
Austausch mit Fachleuten
Im Anschluss an die Aufführung gab es die Möglichkeit zum gemeinsamen Gespräch. Die Studierenden konnten sich mit den Schauspielern, Frank Endrich, Theaterpädagoge an der Naturbühne Trebgast, sowie mit Frau Hering und Frau Vollert, die bei der Kriminalpolizei Hof für das Thema Suchtprävention zuständig ist, über das Gesehene austauschen.
Dabei konnten Fragen zur Entstehung von Sucht, zu Risikofaktoren und zu Möglichkeiten der Prävention besprochen werden. Gerade für die Studierenden der Fachakademie war dieser Austausch wertvoll: Als zukünftige pädagogische Fachkräfte werden sie Kinder, Jugendliche und Familien begleiten und können damit auch mit Suchtgefährdung und deren Folgen konfrontiert werden.
„Forum Sucht“ am Nachmittag
Abgerundet wurde der Tag durch das „Forum Sucht“ in der VHS Hofer Land. Dort konnten sich die Teilnehmenden an verschiedenen Informationsständen über Hilfs- und Beratungsangebote informieren. Vertreten waren unter anderem Selbsthilfegruppen, der Sozialpsychiatrische Dienst, das Bezirksklinikum Rehau und Suchtberatungsstellen.
Ergänzt wurde das Angebot durch verschiedene Fachvorträge, die weitere Einblicke in die Entstehung von Sucht, Prävention und Unterstützungsmöglichkeiten gaben.
Der Tag machte deutlich, wie wichtig eine frühzeitige und offene Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht ist. Gerade in der pädagogischen Arbeit kommt es darauf an, Warnsignale wahrzunehmen, junge Menschen in ihren Entscheidungen zu stärken und ihnen Orientierung sowie Unterstützung anzubieten.
„Entscheidungen“ zeigte eindrucksvoll: Sucht beginnt nicht erst dort, wo die Kontrolle verloren geht. Oft beginnt sie viel früher – bei einer kleinen Entscheidung, einem Gruppendruck oder einem scheinbar harmlosen „Probier doch mal“. Umso wichtiger sind Aufklärung, Prävention und Menschen, die hinschauen.
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