Wir begrüßen kulturelle und religiöse Vielfalt von Mitarbeitenden und Studierenden explizit und richten unsere diakonische Identität darauf aus. An den Fachakademien in Hof bilden wir aktuell junge Menschen aus, die aus 11 verschiedenen Nationen kommen. Seit mehr als 10 Jahren organisieren wir Begegnungen von Studierenden der FAKS Hof und der Fachmittelschule im ungarischen Miskolc. Gern unterstützen wir unsere Studierenden, die sozialpädagogische Praktika im Ausland absolvieren möchten. Wir führen für ausländische Fachkräfte aus ganz Europa und darüber hinaus Weiterbildungsmaßnahmen mit dem Ziel durch, dass sie in Deutschland die berufliche Anerkennung als Erzieherin und Erzieher erhalten.

Wir sind eine „Schule ohne Rassismus/ Schule mit Courage“ mit Studierenden, die Courage haben. Das beweist Olivia, die uns daran teilhaben lässt, wie es sich anfühlen muss, „nicht ins Bild zu passen“. Wir setzen uns dafür ein, dass niemand so eine Erfahrung wie Olivia machen muss. In ihrem nun folgenden, sehr persönlichen Erfahrungsbericht, schildert sie, was sie aufgrund ihrer Hautfarbe erleben musste.


Erfahrungsbericht einer Studierenden

Ich heiße Olivia, ich bin Französin, komme aus La Réunion aber „passe nicht ins Bild“.

Wie ist es „anders“ zu sein? Das weiß ich, das spüre ich und das erlebe ich alltäglich. Die „beste“ Erfahrung diesbezüglich, habe ich während der Suche nach einer Praxisstelle im einjährigen Sozialpädagogischen Seminar gemacht. Ich hatte damals ein nettes Gespräch am Telefon mit einer Erzieherin, die meinen Lebenslauf und mein Bewerbungsschreiben gelesen hatte. Ich war seit zwei Jahren in Deutschland und wurde von der Erzieherin gelobt, da ich mich ihrer Meinung nach gut im Deutschen ausdrücken konnte. Sie bat mich noch um ein Foto, was ich ohne Überlegung nach dem Telefonat per Mail geschickt hatte und sagte, sie würde mich am nächsten Tag anrufen, um ein Vorstellungsgespräch zu vereinbaren. Ich bekam am nächsten Tag einen überraschenden kurzen Anruf und durfte hören „Frau Marlin, es wird kein Vorstellungsgespräch geben, Sie passen nicht ins Bild“. Ich war erst still, habe mich verabschiedet und habe angefangen zu überlegen, wie ich für mich diesen Satz übersetzen konnte. Was meinte sie mit „Sie passen nicht ins Bild?“, „Warum habe ich nicht die Chance bekommen, an einem Vorstellungsgespräch teilzunehmen?“, „Warum kommen mir die Tränen hoch und warum fühle ich mich ungerecht behandelt?“. Ich stand unter Schock und hatte tausende Fragen, ich wollte verstehen, was nicht verständlich war und ich hatte Angst. Ich hatte Angst, dass ich nie Kinderpflegerin oder Erzieherin sein würde, da ich „nicht ins Bild passe“, da ich Schwarz bin.

Ich bin normalerweise ehrgeizig, stolz und temperamentvoll aber hatte alles das verloren nach dem Telefonat. Ich rief weinend meine Eltern an und fragte sie, warum ich wegen meiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Da, wo ich herkomme, gibt es sowas nicht. Ich bin auf einer Insel geboren, wo die Religionen sich akzeptieren, wo sich die Farben mischen und es normal ist, innerhalb einer Familie ein Spektrum an Hautfarben zu haben. Es wurde mir nach dem Gespräch mit meinen Eltern klar, dass ich ein Paradies verlassen hatte. Es wurde mir auch klar, dass ich für mich und auch für andere Menschen wie mich nicht aufgeben sollte. Wenn manche Vorurteile haben, wenn sie mich abweisen, ist es, weil sie nichts wissen, vielleicht Angst haben oder ihre Einstellung ein Produkt eines tiefen verwurzelten Rassismus ist. Ich sollte dafür sorgen, dass sie aufgeklärt werden. Ich beiße nicht, ich blute auch, wenn ich verletzt werde, ich weine und lache, ich singe und ich bin kompetent. Ich habe mich weiterhin beworben und habe weiterhin kein Bild an meinem Lebenslauf geklebt. Ich habe immer, um ein Vorstellungsgespräch gebeten und habe meine Erfahrung bei jedem Vorstellungsgespräch erzählt. Ich wollte, dass jeder davon weiß, wieso ich kein Bild mitgeschickt habe.

Meine Geschichte sorgt für Empörung bei manchen Erzieherinnen und Erziehern. Wie kann man heutzutage Erzieherin sein und gleichzeitig diskriminierend oder rassistisch handeln? Sind wir nicht Vorbilder für die Kinder, die wir betreuen, pflegen und bilden? Wie geht eine diskriminierende Erzieherin mit Kindern um, die Migrationshintergrund oder eine andere Hautfarbe haben? Ich weiß es selber nicht, ich will es nicht wissen, sondern dafür sorgen, dass niemand ähnliche Erfahrung wie ich macht. Ich träume von Akzeptanz für ALLE und weiß, dass es möglich ist, wenn man dafür gemeinsam kämpft.

Ich heiße Olivia, habe die Erzieherausbildung an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Hof bald hinter mir und habe gelernt, dass ich nicht diejenige bin, die nicht ins Bild passt.

© Olivia Marlin


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