Donnerstag 13.12.18
Berichte >>Schule ohne Rassismus
Korczaks Koffer

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde und Bekannte,

anbei ein Hinweis auf eine Veranstaltung des Experimentellen Theaters in Straubing.

Über Interesse freuen wir uns.

B+S. Steiger

 

Korczaks Koffer

- Szenische Gepäckstücke
der etwas anderen Art
von Siegfried Steiger

Ein Bühnenspiel mit Lebensdaten und Ideen des großen
polnisch-jüdischen Pädagogen, Schriftstellers,
Kinderarztes und Waisenhausdirektors Janusz Korczak
(1878–1942), der 1942 mit über 200 Kindern seines
Waisenhauses aus dem Warschauer Getto deportiert
und im Konzentrationslager Treblinka ermordet wurde.

Korczak wird als absurder Dramatiker, origineller
Denker und leidenschaftlicher Erzieher gezeigt.

Das Experimentelle Theater Günzburg hat bereits
mehrere Theaterstücke über Janusz Korczak produziert
und vor zahlreichen Zuschauern in Deutschland sowie

bei internationalen Theateraktionen (z.B. in Österreich,
Schweiz, Polen, Kanada und Israel) präsentiert.
Es existiert seit 1986 und versteht sich als Gemeinschaft
für kreatives Spiel und Kulturaustausch: couragiert,
poetisch, kreativ.


Für diese außergewöhnliche Kulturarbeit wurde der Gründer und Leiter des
Theaters, Siegfried Steiger, mit seinem Ensemble schon mehrfach -auch
international -ausgezeichnet. Dabei hat die Gruppe einen eigenen,
unverkennbaren Stil entwickelt, der mit verschiedenen Inszenierungsformen
experimentiert: vom Schwarzen Theater, über Schattenspiel bis hin zu Maskenspiel
und Pantomime. Dazu gehören auch Körpertheater, Musik, Sprachpoesie und eine
besondere Beleuchtungstechnik.

 

Veranstalter:

Lokaler Aktionsplan „Wir sind Straubing“

http://www.wir-sind-straubing.de

Veranstaltungsort:
AnStatt Theater -Alter Schlachthof
Heerstraße 35, 94315 Straubing

Willkommen bei "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"

Mit großer Freude erleben wir, dass im Moment mehrere Schulen in Stadt und Landkreis Hof "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" werden wollen. Immer öfter werden wir gefragt, ob wir mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Wir tun das sehr gern! Melden Sie sich einfach bei uns

 

Besuch in Flossenbürg - am 25. Januar 2014

Am 4. Februar wäre der 108. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer. Er war 39 Jahre alt, als ihn die Nazis am 9. April 1945 in Flossenbürg ermordeten. Er war nur eine Nacht im KZ Flossenbürg, aber er ist von den 100.000 Menschen, die oft jahrelang dort leben mussten und von denen viele nicht überlebt haben, der bekannteste.

 Studierende der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik besuchten Flossenbürg im Rahmen der Aktion "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Mit der Gedenkstättenmitarbeiterin Sylvia Münchmeier gingen sie lange durch das Gelände.

Niemand kann sich heute wirklich vorstellen, wie ess in den Jahren von 1938 - 1945 gewesen ist, als die Nazis Kriegsgefangene und Regimegegner aus ganz Europa dort im Steinbruch arbeiten ließen, sie folterten, quälten und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und sterben ließen. Die vielen Einzelheiten, die nach der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner ans Tageslicht kamen, wirken heute erschreckend auf die jungen Menschen. Der Gang durch das heutige Gelände, in dem es so friedlich aussieht und das doch einen riesigen Friedhof darstellt, macht allen ein Gefühl von Bedrückung, das letztlich in der Einsicht mündet "So etwas darf nie wieder geschehen". Die perfide Vorgehensweise der Nazis, die zu allen Arbeiten die Gefangenen herangezogen haben, und die detaillierte und langfristige Planung, politische Gegner durch Arbeit auszubeuten und zu vernichten wird von allen Besuchern in Flossenbürg eindrucksvoll nachempfunden.


Das Bild zeigt das Krematorium und das Tal des Todes

 Die in der Ausstellung anschaulich dargestellten Einzelschicksale verdeutlichen, dass Geschichte immer Einfluss auf den einzelnen Menschen hat. Das nationalsozialistische Regime hat mit seiner Willkür Millionen von Menschen in Leid und Tod gestürzt. Für die angehenden Erzieherinnen und Erzieher, die sich im Rahmen ihrer Ausbildung selbstverständlich mit Werteerziehung und  der Entwicklung eines christlichen Weltbildes auseinandersetzen, stellte sich dieser Besuch als sehr wichtig heraus. Vor allem vor der Wand, an der Dietrich Bonhoeffer zu Tode kam, im Angesicht der kleinen Zellen, in denen bis zu fünf Personen zusammengepfercht wurden, wurde klar, dass die Anerkennung der Vielfalt von unterschiedlichen Meinungen, Nationalitäten und Religionen heute nicht in Frage gestellt werden darf. Noch lange diskutierten die jungen Menschen untereinander und mit ihrer begleitenden Lehrkraft.

 

 

 

Henning Flad in Hof - 23. September 2013


Fünf Jahre ist unsere Hofer Fachakademie jetzt schon "Schule ohne
Rassismus - Schule mit Courage". Pfarrer Achim Schäfer sagte bei der
Begrüßung, dass man die Schmierereien, die erst kürzlich wieder an der
Hauswand waren, wegwischen könne, aber die Haltung von Menschen sei
nicht so leicht zu verändern. Deswegen sei es wichtig, dass
Erzieherinnen und Erzieher sich mit Themen wie Menschenrechte,
Gerechtigkeit einerseits und Rassismus und Intoleranz andererseits
auseinandersetzen. Henning Flad von der Diakonie Deutschland ging in
seinem Vortrag auf verschiedene Ansätze rechtsextremer
Mobilisierungskampagnen ein. Eine besondere Rolle kam für alle hörbar
der Musik zu. Rechtsextreme Symbole und Marken schaffen ein
Dazugehörigkeitsgefühl, das von den Kindern und Jugendlichen angenommen
wird, meist ohne die Inhalte zu hinterfragen.

Mit Hinweisen auf lokale Gegebenheiten der rechtsextremen Szene
überraschte Martin Becher die Zuhörer; er ist Leiter der Projektstelle
gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad. Viele der über 150
Studierenden wussten bis dato nicht, welche Bedeutung die Immobilie
Oberprex 47 für das Freie Netz Süd hat.

"Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ist ein Titel, für den man
sich verpflichtet, jährlich mindestens eine Veranstaltung, ein Projekt
oder eine Unternehmung zu organisieren, die den Mut zur Gerechtigkeit in
die Öffentlichkeit trägt.

Johannes Hartl erklärt die rechtsextreme Szene

Achtzehn Jahre ist er jung, er stammt aus Schwandorf und arbeitet als freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt "Rechtsextremismus". Johannes Hartl besuchte auf Einladung von Diplom-Sozialpädagogin Nanne Wienands eine Gruppe angehender Erzieherinnen und Erzieher in der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik, um sowohl von seiner Arbeit, als auch von den Fakten rund um Parteien wie die NPD und Gruppierungen wie das Freie Netz Süd zu berichten. Von den vielen Details, die er in seinem Vortrag einbrachte, waren die Studierenden beeindruckt. Sie hatten im Januar, Februar und März 2013 in den Jugendtreffs in Regnitzlosau und Oberkotzau im Rahmen der Aktion "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" die Filme "Leroy", "Almanya" und "Die Welle" gezeigt und mit den Jugendlichen darüber diskutiert.



Hartl beobachtet die rechtsextreme Szene genau und kennt sich gut aus. Die Verknüpfungen zwischen den Kameradschaften und den Parteien mit rechtsextremem Hintergrund und Gedankengut ist offenbar aufgrund sich verbessernder menschlicher Kontakte wieder enger geworden. In Nürnberg und München sind für eine "Bürgerinitiative Ausländerstopp" Personen mit eindeutig rechtsextremem Absichten in den Stadträten. Für die kommende Landtags- und Kommunalwahl wird erwartet, dass an weiteren Orten - vor allem in ländlichen Gegenden - Listen mit einschlägig bekannten Rechtsextremisten an der Spitze aufgestellt werden. In der Oberpfalz gibt es bereits die "Bürgerinitiative soziale Alternative"; und Hartl  meinte "die Strategie der rechtsextremen Vordenker geht genau in diese Richtung: soziale Strukturen und Einrichtungen in unserer Gesellschaft zu unterwandern".

Während man vor einigen Jahren Menschen mit Nazi-Gesinnung noch an Äußerlichkeiten erkennen konnte, hat sich das Erscheinungsbild heute angeglichen. Nur sehr verschlüsselt sind Symbole und Hinweise erkennbar; am bekanntesten ist dabei noch die Abkürzung "8.8" oder - wie jetzt auf einem T-shirt gesehen wurde "I love 1933"; ein eindeutiger Hinweis, wess` Geistes Kind der Träger ist. Durch solche Hinweise wird deutlich, dass die Rechtsextremen eine Gesellschaftsordnung anstreben, die derjenigen aus der Nazizeit in nichts nachsteht. Hier sind Geschichtsbewusstsein und zivilbürgerlicher Widerstand gefragt, wenn es solche konkreten Hinweise auf Nazi-Umtriebe gibt.



Besonders eindrücklich ging Hartl auf die Besonderheit der Immobilie in Oberprex 47 ein. Sie habe sich zu einem Treffpunkt der Nazis entwickelt, dort würden Schulungen und Kameradschaftsabende abgehalten, Strategien entwickelt und Kampagnen vorbereitet. Dies könne man immer wieder den Einladungen im Internet entnehmen, welches die gesamte rechtsextreme Szene sehr gut für ihre Zwecke zu nutzen wisse. "So abgelegen der Ort ist, für ihre Zwecke ist er optimal, sie fühlen sich dort sicher und wiegen durch vordergründige Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft auch die Nachbarschaft in Sicherheit;" betonte Hartl. Aus vielen Erfahrungsberichten wusste er zu berichten, wie geschickt junge Menschen in rechtsextreme Netze aufgenommen würden. "Diese Art von "Rattenfänger" nutzt gern die Bereitschaft von Jugendlichen, Musik zu hören, Sportveranstaltungen zu besuchen oder miteinander zu feiern," führte er aus. "Und wer die Szene verlassen will, wird unter Druck gesetzt."

Gerade diese Aussagen werteten die jungen Studierenden als Bestätigung ihrer Filmarbeit. "Vorbeugung und Transparenz, Aufklärung und Geschichtsbewusstsein sind wichtige Mittel gegen neue Nazis," war ihr Fazit dieser Stunde.

Filme für Toleranz und Weltoffenheit

Gemeinsam mit der Kommunalen Jugendarbeit des Kreisjugendamtes Hof zeigen Studierende der Fachakademie in den Jugendtreffs in Oberkotzau und Regnitzlosau je drei Filme, Beginn immer 17 Uhr, Eintritt 2 Euro:

Mittwoch, Grotte Regnitzlosau, 23. Januar 2013, "Leroy"
                                                        20. Februar 2013, "Alemanya"
                                                        13. März 2013, "Die Welle"

Donnerstag, Jugendtreff am Bahnhof Oberkotzau, 24. Januar 2013 "Leroy"                                                                                                                        21. Februar 2013 "Alemanya"
                                                                                           14. März 2013 "Die Welle"

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

                           

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Beim ökumenischen Gottesdienst in der St. Gumbertuskirche in Schwarzenbach/Saale hielt Pfarrer Achim Schäfer, der Leiter unserer Fachakademie eine sehr beeindruckende Predigt. Er ging auf die Unfassbarkeit der Ereignisse zwischen 1933 und 1945 ein und betonte die Bedeutung der Erinnerungsarbeit.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde an den Gräbern der Opfer, die auf dem Schwarzenbacher Friedhof liegen, Blumen niedergelegt.

American History X - Fachakademie-Kino

Wenn Fachakademie-Kino angesagt ist, gibts die unvermeidlichen Popcorns.

Aber diesmal gabs auch viele nachdenkliche Gesichter. American History X geht unter die Haut. Der Film handelt von Derek, ein stark in der Szene engagierter Neonazi, der eines nachts zwei bewaffnete Afroamerikaner erwischt, als sie sein Auto stehlen wollen. Er erschießt den einen, und ermordet den anderen brutal durch "Randsteinbeißen". Er erhält wegen Totschlag eine dreijährige Haftstafe. Dadurch wird Derek zum Idol für seinen Bruder Danny. Das hat weitreichende Folgen ....

Das Fachakademie-Kino ist ein Beitrag zur Aktion "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", der unsere Fachakademie angehört.

Franz Rosenbach – ein Zeitzeuge
Pfarrer Schäfer begrüßte die Gäste; Frau Birgit Mair von TACHELES! und Franz Rosenbach
Nachdenkliche und aufmerksame Zuhörer hatte Herr Rosenbach bei seinen Lebenserinnerungen

Er ist 1925 im Sudetenland, im heutigen Tschechien geboren, und in Österreich aufgewachsen. Sein Dialekt verrät uns das. Er lebt jetzt in Nürnberg. Er ist eingeladen am 15. November 2010, um an der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik im Rahmen der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aus seinem Leben zu erzählen. Gott sei Dank kann er über dieses Leben erzählen, den „Der Tod war mein ständiger Begleiter“ – so heißt sein Buch, das über die Bayerische Landeszentrale für politische Bildung erhältlich ist. Franz Rosenbach ist ein ganz besonderer Mensch. Was er erlebt hat, kann sich von den fünfzig jungen Menschen, die in der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik seinem Bericht sehr still lauschen, niemand auch nur annähernd vorstellen. Der 15. November ist nicht willkürlich gewählt, steht er doch in enger zeitlicher Nähe zu den Gedenkfeiern des 9. November: der sogenannten Reichskristallnacht, in der im Jahre 1938 Pogrome gegen jüdische Einrichtungen und Geschäfte das Bild deutscher Städte prägten. In Hof rettet ein kleines Mädchen, später die erste Leiterin der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik und Bürgermeisterin der Stadt, Doris Weber, eine der Thora-Rollen aus der Brandstelle der Synagoge.

Mit dieser Erinnerung begrüßt Fachakademieleiter Pfarrer Achim Schäfer den Gast, und er stellt auch die Verbindung her zu den heutigen Versuchen, das damalige Unrecht auch in den kirchlichen Einrichtungen, auch beim Träger der Hofer Fachakademien, der Diakonie Neuendettelsau, zu reflektieren.

Franz Rosenbach war kein jüdischer Bürger in Österreich: er war Sinto. Ein Angehöriger der Volksgruppe der Sinti. Als fünfzehnjähriger Junge – im Jahr 1940 - wurde er von seiner Ausbildungsstelle bei der Reichsbahn weg von der Gestapo verhaftet und mit seiner Familie „auf Transport“ geschickt. Er wurde mit dem unermesslichen Grauen eines Ortes konfrontiert, an dem Menschen alleine deshalb, weil sie Juden, Sinti oder Roma waren, fabrikmäßig ermordet wurden. Auschwitz. Die Tätowierung der Häftlingsnummer. Wer noch bei Kräften war, musste arbeiten. Franz Rosenbach sagte „Solange man noch fähig war zu arbeiten, hatte man ein Recht zu leben. Wer nicht mehr arbeiten konnte, war verloren. Wer nicht arbeiten konnte, weil er Kind war, Mutter oder alt war, war von vorn herein verloren.“

Das von Joseph Goebbels formulierte Prinzip der „Vernichtung durch Arbeit“ durch beschleunigt durch menschenunwürdigen Unterbringung, verheerende hygienische Zustände und mangelhafte Ernährung, durch Schläge und Strafen. Von Auschwitz aus wurde er nach Buchenwald und nach Mittelbau-Dora verlegt.

Info Buchenwald 

In Buchenwald erlebt er für einige Tage und Nächte die Baracke, in der Kinder mit tödlicher Absicht körperlich verwahrlosen und verhungern, dieses Erlebnis hat sich neben vielen anderen tief in sein Gedächtnis eingegraben. Er wird im Straßenbau eingesetzt und muss schwere körperliche Arbeit leisten. In Dora-Mittelbau arbeitet er für Monate in den dortigen Stollen, in denen neuartige Waffen erprobt werden. Der Stollen ist nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern auch seine Unterkunft. Als er erstmals wieder ans Tageslicht kommt, ist er fast blind.

Im April 1945 – Franz Rosenbachs starker Überlebenswille und seine ursprünglich gute körperliche Verfassung hatten ihn diese fünf Jahre überleben lassen – schickte man die verbliebenen Häftlinge auf einen Todesmarsch. Auch hier war es die Absicht der Machthaber, die Anzahl der Menschen durch zusätzliche Strapazen zu dezimieren. Obwohl längst feststand, dass der Krieg verloren war, dachte man sich noch grausame Methoden aus, um die Häftlinge zu Tode zu bringen und die Spuren des Unrechts zu verwischen.

Franz Rosenbach schildert den angehenden Erzieherinnen und Erziehern auch sein Schicksal nach dem Ende des Krieges. Als staatenloser Sinti, ohne Papiere und ohne Kenntnisse über den Verbleib seiner Familie schlug er sich durch. Der unerlaubte Grenzübertritt von Österreich nach Deutschland brachte ihn kurz nach dem Krieg nochmals hinter Gitter. Schließlich ließ er sich in Fürth nieder, wo er eine seiner Schwestern ausfindig machte. Über zwanzig Familienangehörige waren der menschenverachtenden Willkür der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Er heiratete und gründete eine große Familie. Heute ist er immer noch im Vorstand des bayerischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, und arbeitet ehrenamtlich in einer Beratungsstelle. Vierzig Jahre lang war es ihm nicht möglich, seine Erinnerungen auszusprechen. Und heute schützt er die jungen Menschen, in denen er bestimmte Einzelheiten ganz bewusst nicht ausspricht.

Franz Rosenbach wird in Hof begleitet von der Nürnberger Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair. Sie gilt als Rechtsextremismus-Expertin und arbeitet beim Nürnberger Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung e. V. Noch bis zum Jahr 2012 wird hier das Projekt „Tacheles! Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus in der Jugendarbeit in Ober- und Mittelfranken“ durchgeführt. Birgit Mair hat eine Ausstellung über das Leben von Franz Rosenbach zusammengetragen. Ihre Recherchearbeit hat viele einzelne Erinnerungsstückchen zusammengefügt zur Rückschau auf ein Leben, wie man es sich heute kaum mehr vorstellen kann. Ihre begleitenden Erklärungen werden von den jungen Menschen mit großem Interesse aufgenommen. Die Diskussion im Anschluss an Franz Rosenbachs erschütternden Bericht ist von Nachdenklichkeit und Mitgefühl geprägt und geht in die Zukunft mit der Frage „Was müssen wir tun, damit solches Unrecht nie mehr geschehen kann?“ Eine Frage, die die jungen Pädagogen wohl noch lange beschäftigen wird.

Wilhelm Leuschner
Leuschners Abschiedsbrief an seinen Sohn

Geboren in 1890 Bayreuth, gestorben – ermordet – am 29. September 1944 in Berlin / Plötzensee.

Die Klasse U2 besuchte im Juni 2009 sein Geburtshaus in Bayreuth, in dem seit einigen Jahren eine Gedenkstätte eingerichtet ist. Er war Holzbildhauer, Autodidakt, Gewerkschaftler, Familienvater, wurde schließlich Innenminister in Hessen, und blieb sich selbst treu. 1944 wurde der Widerstandskämpfer im sog. III. Reich nach einem Schauprozess unter Roland Freisler in Berlin / Plötzensee ermordet.

Organisiert hatte diesen Besuch in Bayreuth Judith Schöffel, eine ehemalige Studierende der Fachakademie Hof, die jetzt als Jugendbildungsreferentin tätig ist.

Wilhelm Leuschner Stiftung

Unterstützung für Gräfenberg

Unsere Schule hat heute die Erklärung von 260 Pfarrerinnen und Pfarrern unterzeichnet, die wir hier im Wortlaut abdrucken:

Pfarrerinnen und Pfarrer sind solidarisch mit dem Widerstand der Einwohner von Gräfenberg

Gräfenberg wird seit Jahren von Rechtsradikalen durch Aufmärsche heimgesucht. Wir, evangelisch-lutherische Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises Nürnberg, zeigen uns solidarisch mit dem Widerstand der Einwohner gegen diese Umtriebe.

Wir betrachten mit Sorge, wie sich die NPD und verwandte Organisationen in unserer Region in der Öffentlichkeit Präsenz verschaffen in Aufmärschen, Verteilung von Propagandamaterial, im Interesse an Immobilien und Grundstücken. Wir sorgen uns besonders um die Kinder und Jugendlichen unserer Region, die durch Musik-CDs und Freizeitangebote an die antidemokratischen und menschenverachtenden Inhalte des Rechtsextremismus herangeführt werden sollen.

Die Bibel verkündet die von Gott allen Menschen geschenkte Würde und widerspricht damit der von Rechtsextremisten verbreiteten Ideologie, dass bestimmte Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe weniger Wert hätten als andere.

Die Bibel verkündet die universale Botschaft der Liebe Gottes zu allen Menschen, die sich in Jesus Christus offenbart. Dies widerspricht rassistischem Gedankengut.

Die Bibel verkündet die Liebe Gottes zu seinem Volk Israel. Damit widerspricht sie jeder Form des Antisemitismus.

Der biblischen Botschaft verpflichtet, bekennen wir uns zur Gewaltlosigkeit, zur Nächstenliebe und zur Versöhnung. So stehen wir an der Seite derer, die bedroht, herabgewürdigt und ausgegrenzt werden.

Auf der Grundlage dieses biblischen Zeugnisses halten wir fest, dass Rechtsextremismus und christlicher Glaube unvereinbar sind.

Kicker - Kämpfer - Legenden

Dicht umlagert ist sie nicht, die Ausstellung in der Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik. "Kicker - Kämpfer - Legenden" sieht man sich eher an, wenn man sich unbeobachtet fühlt, wenn der Schulbetrieb nachgelassen hat und die anderen Studierenden schon das Haus verlassen haben. Dann bleibt der ein oder andere noch lange da und macht sich auf die Spurensuche. Kopfschüttelnd stehen die jungen Leute vor den Tafeln und spüren einerseits der Fußballfreude nach, andererseits den furchtbaren Gräueltaten, die man den einst umjubelten Spielern während der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 zugemutet hat.

Einer von ihnen war auch Hans Rosenthal; man kennt ihn als Fernsehstar der Nachkriegsepoche. Auch er spielte Fußball, auch er gehörte zu den Verfolgten. Er überlebte die Nazidiktatur und machte aus seiner Herkunft und seinen Erlebnissen nie einen Hehl. Viele Bürger der älteren Generation haben ihn lieben und schätzen gelernt; seine sprichwörtliche gute Laune war ansteckend. Wie mag er das alles geschafft und verkraftet haben? Das fragen sich die jungen Leute, wenn sie in der Ausstellung auf seine Fußballkarriere aufmerksam werden. Im März 1947 gründete er gemeinsam mit anderen Sportlern in Berlin die jüdische Sportgemeinschaft Hakoah. Da nur wenige Juden in Deutschland bleiben wollen, wird diese Gruppierung wieder aufgegeben, und erst 1970 kann mit dem Turn- und Sporverein TuS Makkabi Berlin wieder an die jüdische Sporttradition angeknüpft werden. Im Sommer 2006 gelingt dem FC Makkabi der Aufstieg in die Berliner Oberliga. Neben Berliner Juden stürmen Spieler aus 15 Nationen und Kurlturkreisen für Makkabi. Ein friedlich-sportliches Miteinander; vorbildlich für eine vielfältige und multikulturelle Gesellschaft.

Als "Schule ohen Rassismus - Schule mit Courage" hat die Hofer Fachakademie ganz konkrete Ziele für die angehenden Erzieherinnen und Erzieher. Sie sollen an der Erinnerung teilhaben, sollen fähig sein, kritisch Stellung zu beziehen und sollen sich einmischen, wenn Ungerechtigkeit, Bedrohung und Gewalt in unserer Gesellschaft deutlich werden. Dies erfordert Mut und Zivilcourage, Überwindung und die Fähigkeit, mit den Reaktionen zurecht zu kommen. Die jungen Menschen stark machen für diese Aufgabe ist ebenso Teil der Arbeit in der Fachakademie wie das Anliegen, begründet Stellung nehmen zu können, Werte vorzuleben und Kindern und Jugendlichen Orientierung für ihre Entwicklung geben zu können. Die ganz konkrete Erinnerungsarbeit, die mit der Fußballerausstellung einhergeht, findet dadurch ihre Fortsetzung in den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen an junge Pädagogen.

Aktuell wissen die jungen Menschen auch, dass z. B. in München die drei Organisationen und Institutionen „Evangelische Versöhnungskirche“, „TSV Maccabi München“ und „Löwenfans gegen Rechts“  verschiedenste Aktionen zum Erinnerungstag geplant haben, um die öffentliche Wahrnehmung von rassistischen und fremdenfeindlichen Aktionen im Fußball und in den Fußballstadien zu erhöhen.

Die Ausstellung "Kicker - Kämpfer - Legenden" ist noch bis zum 29. Januar 2009 in der Hofer Fachakademie an der Mozartstr. 16 zu sehen. Von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr können gerne auch interessierte Privatpersonen oder Schulklassen, Vereine und Mannschaften in die Aula der Fachakademie kommen, um sich die Bilder und Texte anzusehen.

Die Hofer Fachakademie bedankt sich bei der Versöhnungskirche Dachau für die Überlassung der Ausstellung, und bei der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaikum für die Konzeptionierung.

Ausstellung "Kicker - Kämpfer - Legenden" - Zeitzeuge Ernst Grube aus München hält den Eröffnungsvortrag

Niemand hätte diese Ausstellung besser eröffnen können als Ernst Grube. 76 Jahre ist er alt; energisch und hartnäckig vertritt er seine Meinung zu Ausgrenzung und Demütigung, zu allen Verletzungen der Menschenrechte damals und heute.

Er versteht es, den Inhalt der Ausstellung - der Fußballsport in seinen Anfängen und das Schicksal der jüdischen Kicker vor und während der Nazi-Diktatur - mit seinem eigenen Leben zu verbinden. Er lenkt den Blick der Besucher auf einerseits auf die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die hunderttausenden Mitbürgern nach der Machtergreifung Hitlers geschah und auf die damit verbundenen Gefühle der Betroffenen.

Als Kind erlebte er Ausgrenzung hautnah, musste wegen der Not der Eltern mit seinen Geschwistern in ein jüdisches Kinderheim und wurde gegen Ende des Krieges mit ihnen und der Mutter nach Terecin (Theresienstadt, heute Polen) verbracht. Die Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz durch die Rote Armee und die damit verbundene Sprengung der dortigen Leichenvernichtungsöfen retteten der Familie das Leben.

Mit dem Alltag und dem Leben nach dem Krieg war aber nicht alles vorbei. Die Erlebnisse hinterließen Spuren. Elf Familienangehörige der Mutter waren in den Konzentrationslagern ums Leben gebracht worden. Grubes Eltern starben in relativ jungen Jahren; sie waren von der Machtausübung und der Willkür des Faschismus gezeichnet.

Ernst Grube war bei Kriegsende 12 Jahre alt und hatte wegen der Zeitumstände noch keine Schule besucht. Er schaffte es trotzdem, eine berufliche Ausbildung und sogar eine Meisterprüfung zu absolvieren, ein Studium zum Berufsschullehrer folgte, er gründete einen eigenen Malerbetrieb mit einigen Angestellten. Heute, im Ruhestand, ist er in Sachen Erinnerungsarbeit unterwegs. Zwischen München und Hoyerswerda, zwischen Passau und Hamburg kennt man ihn.

Schule und Sport, insbesondere der Fußballsport, war entscheidend an der Integration Grubes in die Nachkriegsgesellschaft Deutschlands beteiligt. Er spielte einige Jahre als Linksaußen bei 1860 München im Grünwalder Stadion.

Die ursprüngliche Absicht des Sports zu Völkerverständigung und Toleranz wurde nicht zuletzt deutlich bei der Fußballweltmeisterschaft 2006, bei der jeder Mannschaftskapitän sich zu diesen Werten bekannte und auch die Fans aufrief, dem Rassismus eine Abfuhr zu erteilen.

"Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" ist die Hofer Fachakademie für Sozialpädagogik seit einem Jahr. Wie gut die Studierenden mit den Gedanken dieser Aktion inzwischen vertraut sind, bewiesen die differenzierten Nachfrage bei Ernst Grube. Sensibel und gut informiert diskutierten die angehenden Erzieherinnen und Erzieher mit ihm über Rechtsextremismus, politische Erfordernisse und Bildungsarbeit. Grube hatte aktuelles Wahlkampfmaterial mitgebracht, welches verdeutlichte, dass man sehr subtil und unterschwellig ständig mit der Thematik konfrontiert ist. Die Verbreitung von Vorurteilen ist oft nur der Beginn von Hetzkampagnen gegen Bevölkerungsgruppen, die nicht ins Bild rechtsgerichteter politischer Kräfte passen.

Pfarrer und Schulleiter Achim Schäfer freute sich über die vielen Studierenden und Besucher der Ausstellungseröffnung, die noch bis zum 29. Januar 2009 für interesseirtes Publikum in der Hofer Fachakademie an der Mozartstr. 16 in Hof zu sehen ist. Er erinnerte an den 60. Jahrestag der Internationalen Menschenrechte, der im Dezember 2008 begangen worden war und stellte für das kommende Schuljahr eine Veranstaltung zu diesem ganz speziellen Thema in Aussicht.

"Im Namen der deutschen Nationalmannschaft erkläre ich, dass wir Rassismus und jede Art von Diskriminierung auf wie neben dem Platz aufs Schärfste verurteilen.

Mit der Kraft des Fußballs können wir mithelfen, Rassismus aus dem Sport und der ganzen Gesellschaft zu verbannen.

Wir werden dieses Ziel weiterverfolgen und rufen Sie dazu auf, uns im Kampf gegen dieses Übel zu unterstützen."

60 Jahre Erklärung der Menschenrechte

Menschenrechte gelten für alle Menschen

Seit 60 Jahren ist das aufgeschrieben, und weil wir eine "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" sind, ist dieser Tag für uns ein wichtiger Tag.

Hier finden Sie die Geschichte Internationaler Abkommen zu Kriegshandlungen.

Eines der bedeutendsten humanistischen Dokumente, das am 10.12.1948 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde und seither als Leitideal für die gesellschaftliche, rechtlicheund politische Entwicklung der Menschheit gilt. Besonders widmet sich die Organisation Amnesty International der internationalen und unabhängigen Überwachung der Menschenrechte. In der Psychotherapie kann die A.E.d.M. als bibliotherapeutische Maßnahme oder Thema bei Fragen und Problemen zur Selbstsicherheit, Gerechtigkeit, besonders auch Gleichberechtigungsfragen, Autonomie  und Abhängigkeit  in zwischenmenschlichen Beziehungssystemen eingesetzt werden.

Den Wortlaut der Präambel und 30 Artikel der A.E.d.M finden Sie unter Allgemeine Erklärung  der Menschenrechte

Ausstellung gegen den aufflammenden Nationalismus in Selb
Musik gegen rechts
Die Kopien der Bilder des Künstlers werden verfremdet - SO leben wir lieber!

Teilnehmer der Übung "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" arbeiteten heute in Selb einige Stunden mit einer Gruppe von Konfirmanden.

Musik gegen rechts, der Liedtext im Orginal:

Green Day - Boulevard of broken dreams

  1. Es ist ein trauriger Tag
    weil ich nicht weiß, wohin ich gehören mag
    wir sind doch alle gleich
    ganz egal ob schwarz oder bleich.
  2. Ich bin zwar nur ein Kind
    aber ich weiß wozu Menschen fähig sind
    Ich weiß wer ich bin
    und Rassismus macht doch eh keinen Sinn

Ref:

My shadow's only one that walks beside me.
My shallow heart's the only thing that's beating.
Sometimes I wish someone out there will find me.
'Till then I walk alone

Lorenz Knorr - eine Schulstunde gegen das Vergessen
Lorenz Knorr
Fachakademienleiter Pf. Achim Schäfer bei der Einführung
Lorenz Knorr im Gespräch mit Sandra Blaschke

Siebenundachtzig Jahre jung sei er, erklärt Lorenz Knorr bei der Vorstellung. Nach eineinhalb Stunden Vortrag und Diskussion merkt man – er hat recht. Kein Anzeichen von Müdigkeit, die Stimme ruhig und fest, frei hat er gesprochen und eindringlich –niemand schaltet dabei ab.

Wer ist Lorenz Knorr?

Ein Antifaschist, das sagt er von sich selbst; und das ist etwas anderes als ein Widerstandskämpfer, erklärt er. Von Jugend, wenn nicht von Kindheit an war er ein politisch denkender und handelnder Mensch, der den humanistischen, den sozialen Gedanken immer in den Vordergrund stellte. Der nicht glauben konnte, dass das Hitlerregime gegen den Rest der Welt Bestand haben sollte, der solidarisch war seiner Idee und seinen Mitstreitern gegenüber. Man nimmt ihm ab, dass er in langen Diskussionen um die besten Lösungen gerungen hat, dass er sich einsetzte mit Leib und Leben gegen den Faschismus. Dabei hat er wohl nie seine Kraft, seinen Humor verloren. Doch, einmal, so berichtet er, da ging es ihm schlecht – als er nach einer Explosion in unmittelbarer Nähe für einige Tage das Augenlicht verlor – ein Auge konnte nicht mehr gerettet werden. Aber blind, nein, blind war er nicht. Das gab ihm Lebenskraft zurück.

Lorenz Knorr wurde 1921 in Eger, dem heutigen Cheb geboren und als hätten sich die Details eingebrannt in sein Gedächtnis, so erzählt er vom beginnenden Krieg, von der Bedrohungen der Bevölkerung, von den Übergriffen der Nazis gegen die organisierten Gewerkschaften, gegen die Sozialdemokraten und gegen alle Bevölkerungsgruppen, die den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge waren.

120 Studierende der Fachakademie für Sozialpädagogik lauschen dem grauhaarigen Herrn, der sie mitnimmt in eine längst vergangene Zeit, und der es versteht den Bogen zu spannen zum Heute. Die Hofer Fachakademie ist seit einigen Monaten „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, und in diesem Kontext war Lorenz Knorr eingeladen worden. „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann Zukunft nicht entwickeln“, sagte Schulleiter Pfarrer Achim Schäfer eingangs. Mit dem Beitritt zu dieser internationalen Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, haben sich die Hofer Studierenden verpflichtet, sich einzusetzen gegen Unterdrückung und Diskriminierung.

Von Lorenz Knorr erfuhren sie, was das zwischen 1933 und 1945 heißen konnte – die Arbeit im Untergrund, das Leben in der Illegalität, heimliche Treffen, heimliche Ausbildung in Verteidigung, stundenlange Verhöre, Schläge, Gefängnis, Strafkompanie ohne Bewährung, Verletzungen bis zur körperlichen Behinderung.

Als Lorenz Knorr die Fachakademie verlässt, wird er sich nicht etwa ausruhen, nein – er wird schreiben. Vierundzwanzig Bücher hat er verfasst in seinem langen Leben, und er wird nicht müde, seine Gedanken festzuhalten, zu recherchieren, Seminare vorzubereiten, Vorträge zu halten, mit jungen Menschen zu diskutieren – und zwar mit Rechtsgesinnten ebenso wie mit dem „Schwarzen Block“ der sogenannten Unabhängigen Antifa. Aktives Mitglied im Verein gegen das Vergessen ist er, und selbstverständlich Mitglied im VVN-BdA – der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V.  Viele hochrangige Politiker hat er hautnah erlebt, oft ist sein Rat eingeholt worden, oft aber auch ist er mit seiner Meinung nicht durchgedrungen.

Viele Anekdoten berichtet er, oft ernst, dann wieder voller Humor. Viele Einzelheiten weiß er – nur ein Beispiel: er wurde von Historikern gefragt, warum die antifaschistische Arbeit in der früheren Tschechoslowakei nicht besser dokumentiert sei? Er wusste die Antwort: weil die Gestapo nur ihre Erfolge in Berichte fasste. Alle Ereignisse, die sie nicht aufklären konnte, wurden nicht aufgeschrieben. Hier muss das Gedächtnis der damals aktiven Menschen in Anspruch genommen werden, und spät, jetzt erst, fallen dem tschechischen Staat die noch Lebenden ein. Jetzt beginnt die Aufarbeitung, fasst 70 Jahre nach der NS-Herrschaft.

Die Studierenden diskutieren mit ihm, lassen ihn nur ungern gehen. Untereinander diskutieren sie weiter. Eine Unterrichtsstunde gegen das Vergessen und für die Zukunft. 120 angehende Erzieherinnen und Erzieher, die mit dieser Stunde sensibler geworden sind.

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Studierende, die an der Übung "Rechtsextremismus" teilnehmen, gestalteten die Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Friedhof in Schwarzenbach/Saale. 

Ein Gedicht von Antonia Bruha, einer Überlebenden aus dem KZ Ravensbrück, und ein Gebet hatten die Studierenden für diese Gedenkfeier ausgesucht. Etwa 25 Personen besuchten die Veranstaltung an der Gräberreihe in Schwarzenbach. Dort haben die Frauen eine letzte Ruhestätte gefunden, die im April 1945 nach der ersten Tagesetappe des Marsches von Helmbrechts nach Volary / Wallern (CZ) starben.

Anschließend fand in der St. Gumbertuskirche ein Gedenkgottesdienst statt.