Montag 12.11.18
Berichte >>2016
Abschlussbericht unserer Bildungspartnerschaft

Abschlussbericht zur Bildungspartnerschaft zwischen der Fachakademie für Heilpädagogik in Hof / Saale und der rumänischen Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung Citoph – Badacin (Bezirk Salaj) in der Zeit von 1993 – 2016

Von Hildegard Havenith

23 Jahre beschäftigten ich mich im Rahmen vieler ehrenamtlicher Einsätze und im Rahmen der Heilpädagogikausbildung mit Bildungsinitiativen, materiellen und mitmenschlichen Hilfen für die Menschen, die in der  rumänischen psychiatrischen Einrichtung in Badacin leben und arbeiten. Mit vorliegendem Bericht möchte ich einen Überblick über die gesamten Initiativen bieten. 

  1. Auflistung der Gesamtmaßnahmen der Fachakademie für Heilpädagogik/ für die Einrichtung Citoph Badacin – 1992 -2016 (siehe Anhang). 
  1. Ziele der Hilfen

Wie Sie der Auflistung der Bildungs- und Begegnungsmaßnahmen in der Einrichtung Badacin in Rumänien und in Deutschland entnehmen, beschäftigten sich die Bildungsmaßnahmen mit dem Angebot heilpädagogischer, heilerzieherischer und systemischer Methoden zur Verbesserung der dialogischen Arbeit der Beschäftigten der Einrichtung Badacin mit dem ihm anvertrauten Personenkreis von Menschen mit besonderen Hilfebedarfen in stationärer geschlossener Unterbringung. Da die Bewohner mit Behinderung in den weitgehend geschlossenen Wohngruppen getrennt vom Leben der Mitarbeitenden existierten, war es das wichtigste Ziel, mitmenschliche Gemeinschaft und Verantwortung für die Bewohner zu fördern. Der Hospitationsbesuch der rumänischen Mitarbeitenden in deutschen Einrichtungen im Sommer 2007 sollte zudem modellhaft die Arbeitsweisen aufzeigen, die in pädagogisch orientierten Behinderteneinrichtungen bei uns in Deutschland bevorzugt werden.

  1. Ansprüche

Geleitet wurde unsere Arbeit durch die Vorgabe humanistischer Haltungen und Reflexionen zum Menschenbild in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Das im Jahr 2006 erarbeitete Leitbild (Code –Ethik), das orientiert war an einem christlichen Menschenbild und sich anlehnte an Leitbilder deutscher Institutionen, begleitete alle nachfolgende Maßnahmen. Es wurde versucht, die defizitorientierte Sichtweise der rumänischen MitarbeiterInnen in ein humanistisches und an christlichen Werten orientiertes Bild zu wandeln, von dem die Menschen mit Beeinträchtigungen in Rumänien profitieren sollten. Besonders die Erkenntnis, dass Behinderung keine Erkrankung ist, sondern ein Zustandsbild nach einem Krankheitszustand, war in dem medizinisch-psychiatrisch denkenden System, dem ein nihilistisches Menschenbild zugrunde liegt, nur schwer zu vermitteln.

Heilpädagogik als ganzheitlicher Denkansatz in der Pädagogik, der dazu dient, Menschen in besonderen Lebenssituationen individuelle Hilfestellung, Lebensqualität, Mitbestimmung, Normalisierung, Hilfestellung zur Teilhabe in der Gesellschaft, Integration und letztendlich Inklusion zu ermöglichen, wurde vorgestellt und in Handlungen praktiziert und erlebbar gemacht.

Es ging uns um die Ausbildung sozialer, kommunikativer, erkennender, handelnder und reflektierender Kompetenzen der beteiligten Mitarbeiter der rumänischen Einrichtung.

Die beteiligten Bewohner der Einrichtung sollten von den Mitarbeitenden als handelnde kompetente Persönlichkeiten gesehen und geachtet werden.

Die Verwaltungsebenen sollten sich selber in dem Bewusstsein reflektieren, dass sie als Servicekräfte  für die Menschen, die in der Einrichtung leben, handeln. 

  1. Vorgehensweisen

Bildungsmaßnahmen für Mitarbeiter

Die Mitarbeiter mit dem Abschluss eines rumänischen Lizeums im sozialen Bereich wurden für die Bildungsmaßnahmen ausgewählt. Zehn dieser Mitarbeiter absolvierten die Ausbildung zum Heilerziehungspflegehelfer an der Fachschule für soziale Assistenz in Sibiu (Dr. Gebhardt). Sie erhielten zum großen Teil Stipendien durch die Kirchengemeinde Rehau. Eine Mitarbeiterin erreichte nach drei Ausbildungsjahren den Abschluss zur Staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin. Die Bildungsangebote der Fachakademie für Heilpädagogik bezogen sich primär auf Personen mit dieser Voraussetzung. Alle Mitarbeitenden zeigten Probleme im assistierend helfenden Umgang mit den Bewohnern der Einrichtung. Da eine verwahrende Aufsicht üblich war, fiel es schwer, sich überhaupt während des Tages neben Versorgungsarbeiten mit den BewohnerInnen zu beschäftigen. Aufgrund von Materialmängeln fühlte man sich nicht in der Lage, Beschäftigungen anzubieten. Obwohl die Einrichtung über einen eigenen Gartenbau und eine Landwirtschaft verfügt, kannten die Bewohner diese Einrichtungen bei unseren Ersteinsätzen nicht. Durch unsere Förderung zur Einrichtungen von Arbeitsgruppen im Gartenbau, im Stall, in einer Schreinerwerkstatt und in einer Kreativwerkstatt konnten ca. 40-50 sozial handlungsfähige Menschen mit Beeinträchtigung einer regelhaften Beschäftigung nachgehen. Bei jedem Bildungseinsatz war unterstützend ein Angebot für die rumänischen Mitarbeitenden notwendig (2007 Praktika in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, 2008 Arbeitstrainings pädagogisch begleiten, 2008 Förderung des Schriftspracherwerbs, 2010 – Konzeption - betreutes Wohnen).

Während es den Mitarbeitern leicht zu vermitteln war, dass die schwer beeinträchtigten Bewohner, die in rumänischen Einrichtungen nur Anspruch auf Essen, Schlafen und Aufsicht haben, mindestens einer Förderpflege und einer sinnvollen Tagesstruktur bedürfen, wurden alle darüber hinaus gehenden Ansprüche (regelhafte, sinnvoller Beschäftigung, gesellschaftlicher Teilhabe und Beziehungsarbeit) außerhalb der überbelegten beengten Wohneinheit von der Leitung bis 2010 kategorisch abgelehnt. Die Mitarbeitenden zeigten sich jedoch offen für Methodenangebote für die Arbeit mit erfahrungsfähigen Personen, die handwerklich bildbar bei entsprechender Förderung sind. So boten wir Mitarbeitenden in deutschen Einrichtungen und Fördergruppen verschiedener Werkstätten für Menschen mit Behinderungen  Hospitationsmöglichkeiten (2007) an und initiierten Fortbildungen (körperorientierte Förderung, Spielefest, Arbeit mit Montessori-Material (2008), Wahrnehmungs-Spiel (2010).

Alle Bildungsangebote in der Einrichtung Citoph Badacin waren so konzipiert, dass für Mitarbeitende Kurzvorträge, Methodenübungen, Demonstrationen, Filmmaterial und  Reflexionsangebote zur Verfügung gestellt wurden und dass die Mitarbeitenden das Gelernte  direkt mit Bewohnergruppen zur Anwendung bringen konnten. Die Anwendung wurde zum Teil durch Anleitung begleitet und zum Abschluss reflektiert. In den Hospitationsmaßnahmen erfolgte vorrangig die Anwendung von Modelllernen am Beispiel von deutschen Fachkräften, unterstützt durch abendliche Unterweisungen und Reflektionen.

Bildungsmaßnahmen für Bewohner der Einrichtung

Bildungsmaßnahmen für Mitarbeitende waren innerhalb der Einrichtung Badacin immer auch Bildungsangebote für BewohnerInnen der Einrichtung. Je nach Fokus des Angebotes wurden die eher sozial agierenden Bewohner, die Personen, die über Handlungserfahrung autonome Fähigkeiten erlangen konnten oder die eher  komplex behinderten aber ein- und ausdrucksfähigen Personen angesprochen (vgl. Hahn 1997). Die Personen erhielten emotionale Ansprache, Kommunikation, sinnhafte Betätigung, Freizeitangebote, Unterstützungshilfen und in einigen Fällen auch Integrationshilfen. Alle Bildungsmaßnahmen wurden immer begleitet durch Freizeitaktivitäten je nach Jahreszeit. So machten wir abendliche Ausflüge in die Stadt, Marktbesuche, Wanderungen, Besuche des Gottesdienstes, Besuche bei Mitarbeitenden immer und in jedem Fall –nach Absprachen- mit den Bewohnern der Einrichtung, um auch hier in Vorbildfunktion eine Öffnung der offiziell geschlossenen psychiatrischen Einrichtung hin zu einer sozialräumlichen Teilhabe zu bewirken. 

  1. Studierende, teilnehmende Mitarbeiter, teilnehmende Bewohner der Einrichtung

An den Bildungsmaßnahmen der Fachakademie für Heilpädagogik für die Einrichtung Citoph-Badacin in den vergangenen 24 Jahren nahmen 58  Auszubildende der Heilpädagogik/Staatlich anerkannte Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und zwei Dozentinnen der Fachakademie für Heilpädagogik teil. 28  Mitarbeitende der Einrichtung Citoph Badacin nahmen an Bildungsmaßnahmen teil. Es handelte sich um 12 Mitarbeiterinnen mit Lizeumsabschluss und Weiterbildung im Bereich der Heilerziehungspflege, sechs medizinische Assistentinnen/Krankenschwestern, vier Mitarbeiterinnen der Verwaltung und sechs unausgebildete Pflegerinnen.

Mittelbar und unmittelbar profitierten alle der zwischen 141 und 158 Bewohner der Einrichtung Badacin von den Bildungsangeboten. Ich besuchte regelhaft alle Bewohner in den Gruppen und wir feierten bei jeglichem Besuch kleine und große Feste, z.B. zu Geburtstagen  mit den Bewohnern. 

  1. Effekte 

Durch die kontinuierlichen Angebote in Deutschland und Rumänien, primär für eine feste Gruppe von MitarbeiterInnen und meine kontinuierliche Begleitung konnten die Fachkräfte aus Rumänien jeweils an die vorherigen Maßnahmen anknüpfen und auch bei wechselnden Studierendengruppen Verbindungen herstellen.

Probleme hatten diejenige Mitarbeitenden, die ein inhaltlich orientiertes fachliches Arbeiten in den Pflegegruppen einführen wollten, da in diesen Gruppen keine pädagogischen Leistungen erwartet  und erwünscht wurden, weil sie nicht refinanziert wurden. So konnten wir für den Personenkreis der schwerstbehinderten Personen die geringsten Effekte nachhaltig erzeugen, obwohl wir viele Gespräche diesbezüglich führten und kontinuierlich Angebote machten.

Unsere Modellwirkung bei der Freizeitgestaltung der Bewohner (Mitnahme) erzeugte bei einigen Mitarbeiterinnen Nachahmungseffekte. Obwohl die Kirchengemeinde Rehau zwei Busse für Transporte spendete, weigerte man sich permanent, die Busse für Freizeittransporte – auch für Einkaufsfahrten – für die Bewohner zu nutzen. Einige Mitarbeiter waren aber bereit, Bewohner ins dörfliche Leben in ihre Familien und zu dörflichen Veranstaltungen mitzunehmen.

MitarbeiterInnen mit einem eigenen bäuerlichen Anwesen initiierten für einige Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, in der Landwirtschaft mitzuwirken, dafür regelmäßig Ausgang zu bekommen und ein wenig Taschengeld zu verdienen. Für dieses Angebot entwickelten wir mit der Leitung eine Vorstruktur hinsichtlich der Ausgangszeiten, dem Lohn und einer gerechten Verteilung. Sich ergebende Probleme mit der Dorfbevölkerung wurden diskutiert.

Innerhalb der Einrichtung erhielten auch die erfahrungsfähigen Personen zunehmend Teilhabemöglichkeiten, indem wir Bildungseinheiten immer außerhalb von Wohngruppen anboten, so dass Wegzeiten und neue soziale Kontakte und Beschäftigung an einem „anderen Ort“  als der Wohngruppe möglich wurden.  Nach jeder Bildungsmaßnahme formulierten Mitarbeitende Erkenntnisse dazu, einzelnen Personen mehr Bewegungsfreiraum zu gewähren, was auch umgesetzt wurde.

Durch die Intensivierung von professionellen Beziehungen zu den Bewohnern bildeten sich Patenschaften einzelner Mitarbeitenden zu Bewohnern, die diese in ihre Familien einluden.

Bewohnern, die sich unerlaubt von der Einrichtung entfernten und Tage- und Wochen lang unauffindbar waren, wurde man nach Rückführung durch die Polizei nachsichtiger. Entgegen alter Gepflogenheit, diese Personen in Zwangsunterbringung zur bringen, wurden alternative Unterbringungsmöglichkeiten diskutiert. So konnten zwei entlaufene Personen, die bei Bauern eine Anstellung gefunden hatten, letztendlich aus der psychiatrischen Unterbringung entlassen werden. Einzelnen, als zuverlässig beurteilten Personen, wurde zunehmend ein Stadtbesuch oder eine eigenständige Familienheimfahrt erlaubt; heute entspricht das der Regel in der Einrichtung.

  1. Problemanzeigen

Den Bewohnern in der Einrichtung, die sich frei bewegen können, geht es relativ gut. Regelhafte Kontakte ins Dorf, regelmäßige Beschäftigung außerhalb der Wohnung, sich frei im Gelände bewegen können, Kommunikation mit den Mitarbeitenden und ein geregeltes Leben sowie eine eingeschränkte Möglichkeit der Selbstsorge lassen ihr Leben annehmbar erscheinen. Sorge macht trotz errungener Freiheiten bei diesem Personenkreis die psychiatrische Diagnose, die festgeschrieben wird und die Personen in der Einrichtung „festhält“.  In vielen Beispielen konnten  so genannte „Looping-Prozesse“ (vgl, Jantzen 1997)  beobachtet werden, wonach einzelne Bewohner sich emanzipieren konnten und Freiheiten erstritten. Sobald diese jedoch Fehler machten, indem sie zum Beispiel  „übers Ziel hinaus schossen“, uneinsichtig waren oder sich aggressiv gegenüber der Leitung äußerten, wurden sie wieder engmaschig psychiatrisch mit Medikamenten und Freiheitsentzug  „psychiatrisiert“. Wir forderten: „Es muss jederzeit möglich sein, dass diese Personen die Einrichtung verlassen können und in  Wohnformen umziehen oder einer Tätigkeit außerhalb der Institution nachgehen. Selbstbestimmung und Integration muss für diesen Personenkreis das angestrebte Ziel sein.“  Es ist bislang kaum möglich, die psychiatrische Versorgung und Einrichtung zu verlassen.

Die Bewohner, die in den Pflegegruppen für Schwerbehinderte geschlossen „gehalten“ werden, leiden vielfach unter ihren  Lebensbedingungen. Es fehlt an Rückzugsmöglichkeit, an persönlichem Eigentum, an hinreichender Kleiderpflege, an guter Kultur des Miteinanders, an  Kommunikation, an Fürsorge, an Tischkultur, an Bildungs- und Beschäftigungsangeboten, am sinnvollen Einsatz des Personals, an guter hygienischer und gesundheitlicher Fürsorge.

Ursache hierfür könnten folgende Umstände sein: Unzureichend ausgebildetes Personal; Personaleinsatz nur an persönlichen Wünschen orientiert; nihilistisches biologistisches Menschenbild, das die Bewohner abwertet und krank macht, sowie mangelnde Kontrolle und Anleitung des ausgebildeten Personals. Der Code Ethik wird in der Arbeit mit hoch bedürftigen Personen unzureichend beachtet. Die Bewohner erhalten anstelle von Zuwendung weiterhin hohe Dosen an Betäubungsmitteln.  Die psychosoziale Versorgung ist mangelhaft. Das Personal sitzt nicht mit den Menschen gemeinsam am Tisch. Die Essenssituation wird dadurch, dass sie nicht in Kleingruppen gegliedert wird, besonders für die Personen, die viel Hilfe benötigen, zu einer unzumutbaren Stresssituation. Den Personen werden viel zu wenige Hilfestellungen zur Verbesserung im Hinblick auf eine gewisse Selbstständigkeit zuteil. Personen, die die meiste Hilfe, Fürsorge und Fachlichkeit benötigen, erhalten zu wenig passgenaue Hilfe. Viele dieser  Menschen leiden.  Durch mangelnde persönliche Kommunikation  und  mangelnde  Teilhabe am Leben durch Alltagsbeschäftigungen können die Personen ihre Persönlichkeit nicht entwickeln und  fristen ihr Leben zwischen Teilnahmslosigkeit, Stresssituationen und  Langeweile. Die vielen  suboptimalen Bewältigungsreaktionen  der Psyche wie Jaktationen, Hochwürgen von Nahrung,  Beschleunigungsverhalten  wie Schlingen, Autoaggressionen, Fremdaggressionen und Gewichtsabnahme  sind  Ausdruck der  widrigen Lebensbedingungen für diesen Personenkreis. Sie sind der Macht der Mitarbeitenden und auch körperlicher und psychischer Gewalt ausgeliefert.

  1. Folgen dieser Erkenntnisse für Maßnahmen nach 2010

Wir ermutigten im Jahr 2010 die Einrichtungsleitung und die Inspektorin des Bezirkes Salaj, sich um Europagelder zu bemühen; ein Antrag erfolgte.

Im Jahr 2011 schickten wir eine Heilpädagogin und eine Übersetzerin (finanziert durch ein Rotary-Projekt) für fünf Monate vollzeitig in die Einrichtung Badacin, um für 30 schwerer behinderte Personen Fördergruppenarbeit aufzubauen, was nachhaltig gelang.

Der Einrichtungsleitung wurde im Jahr 2012 aus Anlass des Neubaues für schwerst mehrfach behinderte Personen aus EU-Mitteln im Dorf Nusfalau vorgeschlagen, die bestehende Einrichtungskonzeption neu zu erarbeiten. Als Inhalte wurde vorgeschlagen,  Bildungsmaßnahmen im Sinne von Organisationsentwicklung durchzuführen und diese auf  Leitungsebene zu erarbeiten.  Als Inhalte wurden von uns vorgeschlagen:

-        Pflegekonzeption

-        Konzeption zum Thema Nahrungsversorgung /Essen

-        Konzeption für Beschäftigung und Förderung

-        Raumkonzept  und Ausstattung des Hauses

-        Personal-,  Kooperations- und Integrationskonzept

-        Überarbeitung des Ethik Codes

-        Konzept der Vernetzung mit den internationalen Hilfesystemen.

Dies wurde nicht angenommen.

So bezogen wir 2012 unsere Bildungsangebote auf die Stabilisierung der Fördergruppenarbeit durch jetzt drei Mitarbeiterinnen der Einrichtung, sowie auf Selbständigkeitstrainings – Kochkurs für junge Frauen und ein Angebot der Erlebnispädagogik zur motorischen und emotionalen Stabilisierung für junge Männer.

Im Jahr 2014 erfolgten die letzten Bildungsangebote in Form von Angeboten für die drei FördergruppenmitarbeiterInnen mit Hilfe eines Sensorischer Integrationstrainings und einem Angebot für Pflegemitarbeiterin einer Pflegegruppe zur Förderpflege in der Tagesstruktur.

Im Jahr 2014 entschlossen sich die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft für Badacin (Diakonie Neuendettelsau, Kirchengemeinde Rehau und Rotary international) dazu, eine konzertierte Aktion zu starten, um auf politischer Ebene auf die weiterhin schlechte Versorgungslage in rumänischen staatlichen Einrichtungen hin zu weisen. Herr Dr. Wunder, leitender Mitarbeiter der evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg – schloss sich dieser Initiative an, da er ähnliche Beobachtungen machte.

2016 erfolgte ein Treffen von Leitungsverantwortlichen aus  Badacin/Salaj mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft für Badacin. Nach Auswertung der Ergebnisse kam es zum Entschluss, die medizinischen Hilfen weiter innerhalb von Besuchen in der Einrichtung zu fördern.

Als Fachakademie für Heilpädagogik beenden wir unsere Hilfen für die Einrichtung in Badacin/RO mit dem Jahr 2016.   

  1. Schlusswort 

Ich erhielt als verantwortliche Mitarbeiterin in der Bildung an einer  Fachakademie für Heilpädagogik die Möglichkeit, ein internationales Projekt für Studenten anzubieten, in dem diese sich in der Erwachsenenbildung ausprobieren konnten, sich in  psychiatrische Strukturen und Denkweisen einfühlen und anpassen mussten und im weitesten Sinne zur Friedensarbeit in Europa beitragen konnten.

Ich danke allen Beteiligten, der Einrichtung Badacin, den Verantwortlichen des Bezirkes Salaj, der Kirchengemeinde Rehau, dem Arbeitskries Rumänienhilfe Neuendettelsau, der Gemeinde Bad Alexandersbad, Herrn Prof. v. Hentig, den beteiligten Dozentinnen unserer Fachakademien und allen beteiligten Heilpädagogen und Heilpädagoginnen für die langjährige intensive Zusammenarbeit in diesem Projekt. 

Im Juli  2016
Hildegard Havenith
Dipl. Päd., Dipl. Heilpäd., Kinder und Jugendlichen-Therapeutin,
Ausbildungsleitung der Fachakademie für Heilpädagogik/Hof  

Quellenangaben

Hahn, Gustav-Peter. 2008. Hilfen für das Zusammenleben mit geistig Behinderten. Freiburg.

Jantzen, Wolfgang. 1998.Integration heißt Ausschluss vermeiden. In: Zeitschrift für Heilpädagogik 21 (1970) 9, 486-494; Nachdruck in: Dietrich Eggert (Hrsg.): Zur ...... Über Behinderung, Humanität und Befriedungsverbrechen.  

Anhang: Übersicht aller Bildungsmaßnahmen der Fachakademie für Heilpädagogik/Hof  in der Einrichtung Badacin in Rumänien

Badacin Chronik von Hilde Havenith Juli 2016

Unsere Kooperationspartner für Rumänien:

  • Kirchengemeinde Rehau
  • Robert - Bosch - Stiftung 
  • Verein Osteuropa – Diakonie Neuendettelsau 
  • Heim CITOPH, Badacin, Rumänien
  • Bayerisches Rotes Kreuz Lichtenfels
  • Rotary International
  • Rotary Hof / Plauen

Jahr

Thema / Aktivität

Dokumentation

1991

Erster Besuch von Vertretern der Kirchengemeinde Rehau (Hans-Georg Angermann) im Heim der „vergessenen Kinder“ in Badacin. Vorgefunden wurden katastrophale Bedingungen der Unterbringung und Verpflegung von Kindern und Jugendlichen.

Zeitungsartikel Frankenpost Hof

1992

Erste Beschäftigungs- und Bildungsmaßnahme durch Lehrkräfte der Fachakademie für Sozialpädagogik/Hof in Badacin; Spielefest und Schwimmbadbesuche.

Zeitungsartikel

1993

Erste Maßnahme der Fachakademie für Heilpädagogik im Heim in Badacin; Akademieleiterin Fr. Traudl Bartel (Dipl.Psych.) reiste mit einer Studierendengruppe in die Einrichtung, um die Situation der dort lebenden Kinder und Jugendlichen zu begutachten. Absprachen mit dem Bezirk Salaj zur Anstellung einer Logopädin und einer Fachkraft für Pädagogik (Lehrerin Fr. Bocor).

Bericht

1997

Übernahme der Initiativen für die Einrichtung in Badacin durch die Fachakademie für Heilpädagogik durch Fr. Havenith. Erster Besuch mit drei Studierenden der Heilpädagogik (Fr. Mack, Fr. Zwosta, Hr. Feyen) und Herrn Angermann, der bei früheren Hilfstransporten bereits in der Einrichtung war.

Zeitungsbericht, Frankenpost Hof

1998

Einladung von sechs Pflegemitarbeitern und der Leitung der Einrichtung Badacin nach Deutschland zur Konzeptionierung von Bildungsmaßnahmen in der Einrichtung Citoph Badacin. Besuch der Himmelkroner Heime/Diakonie Neuendettelsau, Bildungsmaßnahme im Rehbergheim Rehau unter Beteiligung von vier Studierenden der HP (Fr. Zwosta, Hr. Feyen, Fr.Mack, Fr. Hegendörfer-Schmidt)

Gemeindeblatt Kirchengemeinde Rehau

1998

 Bildungsangebote in der Einrichtung in Badacin/Rumänien unter Beteiligung von sieben Studierenden (Fr. Mack, Hr. Feyen, Fr.  Frau Offenhäuser, Fr. Hegendörfer-Schmitt, Fr. Reitinger, Fr. Zwosta) mit Angeboten zu den Themen „Entwicklungsförderung im Kindesalter“, „Geistige Behinderung“, „Autismus“, „Beschäftigungen für Personen mit schwersten Behinderungen“ und „Arbeitstraining“.

Jahresbericht,

Facharbeiten

1999

Einladung von drei Krankenschwestern zur Hospitation in Deutschland, Begleitung von drei Studierenden (Fr. Zwosta, Fr. Rohner, Fr. Müller)

 

1999

Fortbildungsmaßnahme für Krankenschwestern – Hilfen beim Essen und Trinken; Fr. Havenith und eine Studierende – Fr. Offenhäuser.

 

2000

Einsatz mit sechs Studierenden (Fr. Ruf, Fr. Rohner, Fr. Kuhn, Hr. Matl, Fr. Herr, Fr. Müller) und drei Dozenten. Täglich wurden mehrere Förderangebote für die Kindergruppen und einzelne Kinder gemacht. Je nach Entwicklungsalter und Bedürftigkeit wurden in Gruppen mit 6 - 8 Kindern oder Jugendlichen entwicklungsfördernde Impulse gegeben in Form von Bewegungsangeboten, Spiele, Singen, Werken, Backen, Gemeinschaftserleben, Außenaktivitäten u.v.m.

Vorgabe für Zeitungsartikel2000

2001

Fortbildungsmaßnahme für 15 pädagogisch tätige MitarbeiterInnen zu den Themen „Beobachtung“, „Entwicklungsdiagnostik“, „Förderplanung“ und „Teamgespräch“ durch ein Fachteam (eine Dipl.Psychologin, zwei erfahrene HeilpädagogInnen (Fr. Zander, Fr. Höhn), eine Kindertherapeutin (Fr. Havenith) als Grundlage für weitere Fortbildungsmaßnahmen durch Studierende

Bericht über Rumänien, erschienen in der Zeitung Heilpädagogik.de des BHP in Berlin

2002

14-tägige Fortbildung mit 4 Stud. (Fr. Scheller, Fr. Eibl, Fr. Eckert-Rost, Fr. Schneemann) zum Thema „Heimat schaffen“ (sozialräumliche Integration, Partizipation, Beteiligungskulturen, Rituale, persönliche Annahme)

Protokollauszug 2002

2003

Besuch in der Einrichtung, Organisationsberatung

Vorbereitete Gesprächspunkte für 2004

2004

Bildungsangebote : Konzeption, Sexualpädagogik, Fördergruppen; Angebot durch fünf Studierende der Heilpädagogik (Fr. Hayer, Fr. Knüpfer, Fr. Rittmann, Fr. Bertling, Hr. Witz)

Bildungsmaßnahme 04

Zeitungsbericht RO “articol”

2005

 Besuch der Einrichtungsleitung und von Mitarbeitern in Deutschland, Begleitung und  Info-Veranstaltung

Jahresbericht 2005

 

2006

Herbst: Bildungsangebot für Bewohner: Tischtennisturnier, Montessori-Pädagogik durch eine Studierende und zwei berufserfahrenen Staatlich anerkannte Heilpädagoginnen (Fr. Eibl, Fr. Jampen, Hr.Garbe)

Tischtennis 06

Montessori o6

 

2006

 Angebot von drei Bildungsangeboten für Bewohner und Mitarbeiter – durchgeführt von drei Studierenden der Heilpädagogik (Fr. Tenschert, Fr. Altmann, Fr. Freudenberger, Hr. Göbel). „Arbeitstrainingsmaßnahme pädagogisch begleiten“, „Erarbeitung eines Code-Ethik für Mitarbeitende“, „kreative Gestaltung mit Personen mit Mehrfachbehinderungen“, „Theaterprojekt „Rotkäppchen“.mit Aufführung im Dorf Badacin für die Bevölkerung gemeinsam mit den Heimbewohnern“.

Jahresbericht 2006

2007

Zweiwöchiger Einsatz von Mitarbeitern aus der rumänischen Partnereinrichtung in Deutschen Einrichtungen der Behindertenhilfe; Begleitung von vier Studierenden und AbsolventInnen unserer Fachakademie in den Einrichtungen.

Reflexionsrunde 07

2007

Fortbildung für pädagogische und pflegerische Fachkräfte, Diagnostik und Fallanalysen

 

2008

 Bildungsangebote: Förderung schwer behinderter  Menschen durch körperorientierte Verfahren, Förderung des Schriftspracherwerbs mit Hilfe des Montessori – Materials, Spielefest für die Gesamteinrichtung durch vier Studierende der Heilpädagogik (Hr. Brose, Fr. Oefele, Fr. Bauer, Fr. Bachofner, Fr. Kassing)

Zeitungsbericht Badacin 08, erschienen in der regionalen Zeitung des Bezirkes Salaj/RO
Ergebnisbericht
Heimfest Badacin 08

2008

Besuch in der Einrichtung gemeinsam mit Mitgliedern des Rotary Clubs Dr. Sachs, Pfarrer Schäfer, Fr. Havenith

Bericht Rotary, Jahresbericht

2009

Begleitung der Einrichtungsleitung Fr. Oros bei ihrem Besuch in Deutschland

Gemeindebrief – Kirchengemeinde Rehau 5/2009

2009

Oktober: Evaluation aller Bildungsmaßnahmen, die über die Robert-Bosch-Stiftung finanziert wurden unter Beteiligung aller Mitarbeitenden der Einrichtung Citoph-Badacin und Dozentinnen und zwei Studierenden der Fachakademie für HP Hof (Fr. Oefele, Fr. Altmann)

 

2010

Frühjahr: Studierende der HP (Hr. Bianga, Fr. Teichert) boten drei Bildungsmaßnahmen für Mitarbeitende der Einrichtung CITOPH-Badacin an in den Bereichen des Wahrnehmungsspiels und Initiativen zur Re-Integration von Heimbewohnern (Betreutes Wohnen).

Herbst: Besuch in der Einrichtung, Gespräche mit Vertreter des Bezirkes, Planung von Einsätzen der Zahnärzte, Hilfstransport, Bildungsangebot

Sommer: Erster Einsatz der Zahnärzte ohne Grenzen (Fr. Wienands, Dozentin FAK Hof).

Rum Bericht für Jahresbericht 010, Teichert

Übergabe Geschenk (Fußball) des Bayer. Kultusministeriums

Zeitungsartikel www.dentists-without-limits.2010

2011

März: Antrittsbesuch Fr. Cerkownik, Heilpädagogin aus Deutschland, in Badacin mit Fr. Schneider, Fr. Havenith. Fünfmonatiger Einsatz der Heilpädagogin und einer Übersetzerin in der Einrichtung in Badacin, Einrichtung von Fördergruppen für komplex behinderte Personen.

Oktober Besuch der Zahnärzte ohne Grenzen in RO gemeinsam mit Fr. Wienands

Anzeige Mitarbeiterzeitung

Bild Cerkownik, Antrittsbesuch

Rotary- Projekt

Bericht Zahnärzte

2012

Bildungsangebote: „Übungen und Reflexion für die Fördergruppenarbeit“, „Sportgruppe für Männer“, „Kochgruppe für Frauen“, durchgeführt von vier Studierende der Heilpädagogik (Fr. Arnold, Fr. Götz, Fr. Sommermann, Fr. Mehnert)

Einsatz von zwei Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik, Blockpraktikum begleitet durch F., Wienands.

Einsatz der Zahnärzte ohne Grenzen, Begleitung der BewohnerInnen der Einrichtung

Zeitungsbericht für Zeitung heilpädagogik.de –1/013

2014

Bildungsangebote zu den Themen „Sensorische Integrationstrainings nach Affolter“ und „lebenspraktische Begleitung von Personen mit komplexen Behinderungen“ durch die Studierenden Fr. Munzert, Fr. Dülberg und Fr. Sachs.

Facharbeit von Fr. Mareen Sachs, Fachakademie für Heilpädagogik/Hof

2015

Offener Brief der beteiligten Hilfsorganisationen (Diakonie Neuendettelsau, Kirchengemeinde Rehau, Rotary Hof-Bayern/Vogtland) mit Problemanzeigen: Verwaltungs-Vorrang, schlechte Personal-Ausbildung; Versorgungslage für Personen mit komplexen Behinderungen; medizinische und pflegerische Versorgung, Lebensqualität der Bewohner, mangelnde pädagogische Betreuung.

Arbeitsgemeinschaft Badacin

2016

Treffen von Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Rumänienhilfe (Kirchengemeinde, Fachakademie f. Heilpädagogik) gemeinsam mit der Inspektorin des Bezirkes Salaj Fr. Milas und Vertretern der Einrichtung Badacin in Györ/Ungarn.

Beschluss, dass medizinische Hilfsmaßnahmen (Dr. Sachs – Rotary) und materielle Hilfen (Kirchengemeinde Rehau) weiterhin gewährt werden.

Die Bildungsmaßnahmen durch die Fachakademie für Heilpädagogik in Hof werden beendet.

Protokoll des Treffens

 

Von 1990 bis 1998 wurden alle Hilfsmaßnahmen und Bildungsmaßnahmen federführend durch Herrn Hans-Georg Angermann(Dozent Fachakademie für Sozialpädagogik/Hof) geplant und begleitet.

Ab 1997 bis 2016 begleitete Fr. Havenith (Ausbildungsleitung Fachakademie für HP-Hof) alle aufgeführten Maßnahmen und Studiengruppen durch Konzeptionierung, Coaching, Supervision und Evaluation der Bildungsangebote in Badacin. Frau Havenith führte alle Absprachen mit den Verantwortlichen in Rumänien und war in Deutschland in den vernetzten Organisationen (Antrag Robert-Bosch-Stiftung, AK Kirchengemeinde Rehau, Vorstandsmitglied des Fördervereins Rumänienhilfe Neuendettelsau) in Sachen Refinanzierung der Maßnahmen aktiv.

Frau Wienands (Dozentin Fachakademie für Sozialpädagogik/Hof) begleitete zusätzlich die Initiativen seit 2010; maßgeblich alle Initiativen der Zahnärzte ohne Grenzen, begleitete Frau Cerkownik und Fr. Schneider bei ihrem fünfmonatigen Einsatz durch Supervision und war im Bereich Öffentlichkeitsarbeit sehr aktiv.

Herr Pfarrer Schäfer (Akademieleiter) begleitete drei der aufgeführten Maßnahmen(1998, 2000, 2008), koordinierte die Einladungen rumänischer Mitarbeiter nach Deutschland und initiierte das Projekt von Rotary International.

Gez. H.Havenith, Juli 2016

Miteinander kochen - Ein Weg zum gegenseitigen Verstehen

Im Herbst 2015 begannen Dozenten und Studierende der Fachakademie für Heilpädagogik ein Projekt mit minderjährigen geflüchteten Menschen. Jeden Montag traf man sich in der Fachakademie, tauschte sich über unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten aus, lernte die Sprachen voneinander und miteinander, musizierte, kochte und ließ es sich miteinander schmecken. Aus den Rezepten stellten die Teilnehmer eine kleine Sammlung zusammen, die nun in Heftform und mit Fotos versehen veröffentlicht wurde.

"Miteinander kochen - Ein Weg zum gegenseitigen Verstehen" ist entstanden; darin sind syrische, libanesische und marokkanische Gerichte enthalten, aber auch Gerichte aus Rumänien. Damit weist Hildegard Havenith, die Ausbildungsleiterin der Fachakademie für Heilpädagogik auf das jahrelange Engagement der Ausbildungsstätte im rumänischen Badacin hin. Einige schnelle internationale Gerichte dürfen nicht fehlen, und so hat sich das Heftchen zu einem schönen Impuls entwickelt, Kochgewohnheiten zu ändern. Im Rahmen eines Fachtages zur interkulturellen Arbeit in sozialen Einrichtungen wurde es vorgestellt.
Das gesamte Projekt wurde vom Bundesprogramm "Demokratie leben!" unterstützt.
Das Heft mit den Rezepten ist gegen eine kleine Spende an der Hofer Fachakademie in der Mozartstr. 16 erhältlich.

Fachtag Interkulturalität an der Fachakademie für Heilpädagogik Hof

Gemeinsam Musizieren und miteinander Kochen sind transkulturelle Handlungen

Gemeinsam Musizieren und miteinander Kochen sind transkulturelle Handlungen. Ein afghanisches und ein deutsches Liebeslied wurden am Fachtag an der Fachakademie für Heilpädagogik von Ali Norosi und dem Studierenden Stefan Krastel dem Publikum dargeboten und mit viel Beifall bedacht. Dabei sangen sie abwechselnd und begleiteten sich gegenseitig auf der Gitarre.

Mit arabischen Gerichten, gefüllten Teigtaschen, kleinen Fladen und Grießkuchen überraschten Marwan und Mohammed aus Syrien die Gäste. Gemeinsam mit den Studierenden Sandra Hoier und Nikola Frisch hatten sie für den Fachtag gekocht.

Fachakademieleiter Pfr. Achim Schäfer begrüßte die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Fachtag „Interkulturelle Kompetenz für ein inklusives Zusammenleben“. Von verschiedenen Gremien und amtlichen Stellen bekommt er, so Schäfer, fast täglich Post zum Thema interkulturelles Miteinander. Dies zeige, wie präsent und aktuell Interkulturalität in der Gesellschaft ist. Auch die Ausbildungsleitung der Heilpädagogik, Hildegard Havenith, begrüßte die Gäste. In ihrem anschließenden Vortrag klärte sie relevante Begriffe, wies auf sichtbare und unsichtbare Handlungsmuster im Umgang mit fremden Kulturen hin und verdeutlichte den Prozess, den Menschen durchlaufen, die ihre Heimat verlassen.

Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, so Havenith, sind Spezialisten für Diversität, Inklusion und Teilhabe, denn in ihren Arbeitsfeldern treten sie immer wieder für Menschen ein, die von Ausgrenzung und Exklusion betroffen oder bedroht sind. Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sind dazu verpflichtet, eigene und fremde Handlungsmuster zu reflektieren und für eine Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Inklusionsbedarf einzutreten. Die Kunstpädagogin Dr. Fatma Herrmann aus Hof referierte in ihrem Vortrag über interkulturelle Kunstpädagogik. Dabei schilderte sie auch ihre eigenen Erfahrungen als Migrantin aus der Türkei. Die Kunst habe ihr geholfen, im fremden Land anzukommen, trotz wahrgenommener Diskriminierung. Herrmann tritt für partizipative Handlungen durch Kunstpädagogik ein. Wie dies geschehen kann verdeutlichte sie anschaulich an einem Beispiel aus der Praxis. Die Kunst, so Herrmann, habe den klaren Vorteil, dass dabei nicht vordergründig Sprache gefordert ist. Menschen können sich durch kunstpädagogische Angebote auf einer anderen Ausdrucksebene begegnen, annähern und verstehen lernen – ohne Diskriminierung. Im Anschluss an die beiden Vorträge wurden in den Räumen der Fachakademie verschiedene Workshops angeboten, wie beispielsweise „Bilinguale Erziehung in Kindertagesstätten“, „Arbeit mit minderjährigen Jugendlichen in der Jugendhilfe“, „Interkulturelle Kompetenz durch kunsttherapeutische Methoden“ oder „1001 Nacht – dem Fremden im Märchen begegnen“. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, spezielle Interessen und eigene Fachgebiete ganz praktisch zu vertiefen und Anregungen für die eigene Praxis mit nach Hause zu nehmen.
Heidi Lange

 

 

 

 

 

Heike Schricker erhält Kobi-Preis

Heike Schricker aus Kulmbach, Absolventin der Fachakademie für Heilpädagogik in Hof im Jahr 2015, hat den Förderpreis des Internationalen Archivs für Heilpädagogik am Emil E. Kobi-Institut  gewonnen. Das Kuratorium des Fördervereins hat aus 28 eingereichten Arbeiten aus dem Bereich der Fachakademien/Fachschulen in Deutschland entschieden, die Arbeit mit dem Titel „Emotionen als Ressource – Zugangsmöglichkeiten durch Kommunikation und Interaktion bei Menschen mit Demenz im Rahmen heilpädagogischer Hilfe“ zu prämieren.

Heike Schricker wird auf der Bundesfachtagung des Berufs- und Fachverbandes für Heilpädagogik im November 2016 in Berlin den Preis überreicht bekommen. Mit dem Preis verbunden ist unter anderem die Veröffentlichung der Facharbeit in Buchform.

Fachakademiedirektor Pfarrer Achim Schäfer und Hildegard Havenith, Ausbildungsleiterin der Hofer Fachakademie für Heilpädagogik sind stolz, dass an der Fachakademie so gute Leistungen hervorgebracht wurden. "Wir freuen uns mit Frau Schricker, und gratulieren ganz herzlich zu diesem Erfolg!"

Neue Vereinbarung mit Badacin / Rumänien

Für die Zusammenarbeit zwischen der rumänischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, CSS Badacin, der Evangelischen Kirchengemeinde Rehau, der Hofer Fachakademie für Heilpädagogik und dem Rotary Club Hof-Bayerisches Vogtland wurden am vergangenen Wochenende neue Grundlagen erarbeitet. Eine neue Kooperationsvereinbarung soll dazu dienen, die Arbeit auf beiden Seiten transparenter und effektiver zu machen.
Um dieses Anliegen persönlich zu besprechen, trafen sich alle Verantwortlichen auf halber Strecke im ungarischen Györ. Aus Badacin kamen Heimleiterin Mona Oros, die zuständige Inspektorin des Bezirks Salaj, Violetta Milash, Krankenschwester Florica Pop und die Verwalterin der sozialen Aufgaben, Päunita Grädinar. Von oberfränkischer Seite nahmen Hildegard Havenith, Ausbildungsleitung der Fachakademie für Heilpädagogik, Dr. Winfried Sachs für die Hofer Rotarier, Heilpädagogin Christiane Steinhäußer, Sozialpädagogin Nanne Wienands, für die Rehauer Kirchengemeinde Harald Jacob und die beiden Übersetzerinnen Rita Rahner und Annelie Schneider teil. Carsten Feyen, Heilpädagoge und leitender Mitarbeiter bei der Diakonie Hochfranken hatte die Moderation der Tagung übernommen.
Einen ganzen Tag lang wurde angeregt diskutiert. Nach 25 Jahren der Hilfe war es der oberfränkischen Delegation ein großes Anliegen, endlich die Lebensqualität der 126 Bewohner in den Mittelpunkt der Bemühungen zu rücken. Auf rumänischer Seite stehen organisatorische Verbesserungen und die Einhaltung der immer wieder neuen rumänischen Gesetze im Vordergrund der Arbeit. Diese Diskrepanz wollten die Hofer aufbrechen, und es bleibt zu hoffen, dass die neue Vereinbarung, der alle Gesprächsteilnehmer zugestimmt haben, dies ermöglicht.

Die nächste Maßnahme wird Mitte März 2016 stattfinden: wieder fährt ehrenamtlich eine Zahnärztin aus Deutschland nach Badacin, um die Menschen mit Behinderung zu behandeln. Annette Kirchner-Schröder wird voraussichtlich von zwei Hofer Helfern begleitet, die die Organisation und den Transport der Patienten sicherstellen. Gemeinsam mit ihr wird eine rumänische, ehrenamtlich arbeitende Zahnärztin aus Bistrita arbeiten. Menschen mit Behinderungen werden in Rumänien nicht ausreichend zahnärztlich behandelt. Einseitige Ernährung, die ständig als Brei verabreicht wird, und mangelnde Zahnhygiene verursachen schlimme Entzündungen und schmerzhafte Zahnprobleme. Seit nunmehr sechs Jahren helfen die deutschen Zahnärzte zweimal jährlich in Badacin. Die Praxiseinrichtung wurde mit Unterstützung des Diakoniewerks Neuendettelsau ermöglicht.

An diesen Tagen ist es den Hofer Unterstützern auch möglich, das mit Mitteln der Europäischen Union neu gebaute Haus besuchen, in dem inzwischen 50 Menschen mit schweren Behinderungen leben.

Für den Zahnärzteeinsatz wird um Spenden auf das Konto der Evangelischen Kirchengemeinde Rehau gebeten: IBAN  DE87 7806 0896 0000 4608 26, VR-Bank Hof.