Donnerstag 13.12.18
Berichte >>2014
Hofer Heilpädagogen und Zahnärzte in Rumänien

In der Osterwoche erlebten die 126 Bewohner und Mitarbeiter der rumänischen Einrichtung CITOPH zum wiederholten Mal einen unterstützenden Einsatz der Hofer Studierenden der Heilpädagogik. In dem kleinen Dorf Badacin leben seit vielen Jahren 126 Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen. Begleitet von ihrer Dozentin Hildegard Havenith und den beiden Übersetzerinnen Annelie Schneider und Rita Rahner hatten sich Katja Munzert, Mareen Sachs und Tanja Dülberg lange und intensiv auf diese Woche vorbereitet. Therapeutische Beschäftigungen für kleine Gruppen, Besonderheiten des Osterfestes und die Aus - und Weiterbildung einiger Mitarbeiter standen auf dem Programm. Es wurde in den Förder- und den Wohngruppen in Badacin mitgearbeitet, so dass auch gut der Alltag erlebt wurde, der im wesentlich leider ohne bedürfnisorientierte Struktur verläuft. Dies ist allerdings nicht den Mitarbeitern anzulasten; sie sind häufig allein mit über zwanzig Menschen im Dienst, die schwerste Behinderungen haben, und können nicht mehr leisten.

Grundlage für die praktische Arbeit der Heilpädagogen waren Theorien nach Felicie Affolter und Marianne Frostig. Beiden Wissenschaftlerinnen liegt die Wahrnehmungsförderung bei Menschen mit Behinderungen am Herzen. Mit ganz praktischen systematischen Hinweisen geben sie Anleitung zur Handhabung zielgerichteter heilpädagogischer Methoden. Die Inhalte der praktischen Arbeit mit den Bewohnern in den Fördergruppen wurde jeweils am Nachmittag vor der Durchführung mit den Mitarbeitern besprochen, und am darauffolgenden Tag gemeinsam reflektiert. Malen, Spielen, Zusammensetzen, Backen und vieles andere mehr konnten die Bewohner in dieser Woche erleben. Ihre Freude an den ungewohnten Tätigkeiten kannte keine Grenzen.



 Fast gleichzeitig wurden auch kranke Zähne behandelt - ehrenamtlich und kostenlos. Zahnärztin Annette Kirchner-Schröder war es diesmal gelungen, außer ihrer deutschen Kollegin Anne auch die rumänischen Zahnärzte Mariana und Alex, sowie zwei rumänische Studenten der Zahnmedizin - Sergiu und Petra - mit an den Behandlungsstuhl zu holen. Bei der Assistenz half Sandu Pop, einem jungen Mann, den Annette Kirchner-Schröder bei früheren Einsätzen kennengelernt und angelernt hat. "Insgesamt bedeutet das 100 % Nachhaltigkeit für die zahnärztliche Versorgung von Menschen mit Behinderung und gleichzeitig eine Stärkung der Entwicklung von ehrenamtlicher Arbeit in Rumänien;" freute sich die Hofer Sozialpädagogin Nanne Wienands, die die Patientenorganisation vor Ort übernommen hatte. Auch bei den Zahnärzten ist die Freude der Bewohner über die Hilfe spürbar. "Sie ziehen ihre beste Kleidung an und freuen sich, auf den Behandlungsstuhl zu kommen," weiß Wienands aus Beobachtungen.


Zahnärztin Kirchner-Schröder, die bereits neun Mal in Badacin arbeitete, schreibt in ihrem Bericht:

"Für die Behandlung der Bewohner von B?d?cin wird jede Hand gebraucht. So beschloss ich, einen rumänischen Assistenten mitzunehmen. Der Einsatz in Badacin war Neuland für ihn, aber er fand mit erstaunlicher Gelassenheit seinen Platz im Behandlungsteam.

 Unsere Arbeit wurde dankenswerterweise von unseren rumänischen Kollegen unterstützt. Am ersten Tag arbeiteten wir mit Alex und Sergiu zusammen. Der zweite Tag wurde uns durch die Mithilfe von Mariana und Petra erleichtert. Es ist schön zu sehen, dass es auch in Rumänien Menschen gibt, die ehrenamtlich tätig sind. Das baut auf und macht Mut!

 Wir behandelten insgesamt 73 Patienten. Bei 35 Patienten entfernten wir zum Teil massiven Zahnstein. Fast alle Patienten leiden unter Gingivitis, einer chronischen Zahnfleischentzündung infolge mangelnder Mundhygiene. Alle Patienten bekamen - wie immer - Zahnbürsten und Zahnpasta.

 Es wurden 38 Füllungen gelegt, diese Zähne konnten erhalten werden!  54 Zähne mussten leider entfernt werden. Das zeigt, dass Unterstützung weiterhin notwendig ist. Der Zahnarzt vor Ort hat zwar einige Patienten mit Zahnersatz versorgt - gegen Bezahlung! Er übernimmt aber ansonsten wenig Verantwortung. Ganz offenbar hat die (Zahn)-Gesundheit der Bewohner staatlicher Einrichtungen keine Priorität in Badacin. Die schlechte körperliche Verfassung fast aller Bewohner ist uns nicht verborgen geblieben."

Der Dank aller Reisenden in Sachen "Hilfe für Rumänien" geht an die evangelische Kirchengemeinde Rehau für die Übernahme der Fahrtkosten, an den Verein Osteuropahilfe in Neuendettelsau für finanzielle Unterstützung zur Anschaffung von Beschäftigungs- und Hilfsmaterial, an den Rotary-Club Bayerisches Vogtland in Hof, an die Firma Mercedes-Müller in Hof und an die vielen Spender von Geldbeträgen und Hilfsgütern. Bei diesem Besuch hatte man über 200 Handtücher für die Einrichtung im Gepäck, weil der Einsatz im Herbst 2013 an den Tag gebracht hatte, dass nicht jedem Bewohner ein Handtuch zur Verfügung steht.

"Trotz der vielen Hilfen sind nur kleine Schritte der Verbesserung in der Einrichtung erkennbar. Immer noch ist die Langeweile und die mangelnde hygienische und pädagogische Versorgung der Bewohner Ursache für die vielen psychischen und physischen Auffälligkeiten," meint Nanne Wienands. Hildegard Havenith plant bereits das nächsten Treffens mit der rumänischen Heimleitung. "Ein Teil der Bewohner wird demnächst in ein neues Gebäude umziehen können. Allerdings fehlt es neben der Einrichtung und der Gestaltung der Räume auch an einer grundlegenden Konzeption und an der Planung eines zukunftsorientierten Neubeginns," so ihr Fazit.

Die Hofer / Rehauer Hilfe ist also nach wie vor gefragt. Außer dem Knowhow wollen die Helfer in den Pfingstferien viele Socken mitnehmen. So schlicht das klingt: "Der Mangel an ganz einfachen Dingen ist gravierend", bestätigt Nanne Wienands. Wer  mithelfen möchte, die Not der damaligen und jetzt erwachsenen "vergessenen Kinder" des Ceauscescu-Regimes in Rumänien zu helfen, kann dies mit einer Spende tun.

Die Bankverbindung der Evangelischen Kirchengemeinde Rehau lautet VR-Bank Hof eG,  IBAN: DE87 7806 0896 0000 4608 26;  BIC: GENODEF1HO1