Sonntag 21.10.18
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Montessori-Pädagogik als heilpädagogische Methode

Das Bild vom Kind – Anthropologische Grundlagen der Montessori-Pädagogik

Das Kind ist mit einem großen angeborenen Potential ausgestattet, sich selbst zu entwickeln – „es ist sein eigener Baumeister“ (Maria Montessori). Um dieses Potential nutzen zu können, benötigt es eine ihm angepasste Umgebung und das liebevolle Mitdenken seiner Bezugspersonen:

zur körperlichen Entwicklung braucht das Kind Nahrung und Raum,

zur geistigen Entwicklung braucht es eine anregende Umgebung und gefühlvolle sowie verständnisvolle Menschen, die ihm das Handeln in dieser Umgebung möglich machen – und es braucht Frieden (i.S. von Ruhe und Zeit), um seine Kräfte zu Selbstaufbau und Persönlichkeitsentwicklung einsetzen zu können.

Frieden vermittelt der Erwachsene, der den großen kreativen Selbstaufbau des Kindes erkennt und diesen Prozess mit Verständnis begleitet. (Lore Anderlik)

 

Die Montessori-Pädagogik ist folglich eine kindorientierte Methode, die das Kind in seiner Gesamtheit sieht und würdigt. Ihr innewohnendes Angebot befriedigt alle Bedürfnisse des Kindes zu seiner bestmöglichen Entwicklung. Zugleich beinhaltet die Methode eine „neue“ Erziehungskultur, welche das Selbstwertgefühl des Kindes steigert und auf unsere heutigen Lebensbedingungen vorzubereiten im Stande ist.

 

Montessori-Pädagogik, Montessori-Heilpädagogik und Montessori-Therapie

Montessori-Pädagogik, Montessori-Heilpädagogik und Montessori-Therapie ruhen auf den gleichen, von Maria Montessori beobachteten und entwickelten Prinzipien:

„Hilf mir, es selbst zu tun“ (Maria Montessori), um über das „Be-greifen (das Handeln) zum Begreifen zu kommen“.

Das Ziel der pädagogischen oder therapeutischen Ausrichtung ist immer das gleiche:

die größtmögliche Selbständigkeit, die Selbstbewusstsein und Selbstverantwortlichkeit aufbauen und entwickeln lässt. Der Weg zu diesem Ziel muss für jedes einzelne Kind und seine Bezugspersonen gangbar sein und Freude bereiten –  sei  es in großen oder in kleinen Schritten.

Die Darbietungen der von Montessori entwickelten Übungen und Materialien folgen stets der natürlichen physiologischen und psychologischen Entwicklung des

Kindes, mit dem Ziel, den ganzen Menschen durch motorische, sensorische und intellektuelle Aktivitäten zu fördern.

 Die Montessori-Pädagogik als heilpädagogische Methode ermöglicht einen ganzheitlichen und entwicklungsgemäßen Zugang zum Kind und leistet zugleich einen wertvollen Beitrag zu einer ästhetischen, sittlichen und intellektuellen Förderung der Kinder.

Inhalte:

1.    Das Erziehungs- und Bildungskonzept Maria Montessoris

Die Vorstellung dieses Erziehungs- und Bildungskonzeptes im Rahmen des Wahlpflichtfaches beinhaltet die Grundgedanken von Maria Montessori mit den Schwerpunkten

-          der kindlichen Entwicklung  in ´sensiblen Phasen für Motorik, Sprache, Ordnung´ etc.,

-          der´ Haltung dem Kind gegenüber´,

-          der ´didaktische Prinzipien des Entwicklungsmaterials´ und

-          der methodischen Heranführung der Kinder an das Material und schließlich

-          der Bedeutung einer ´vorbereiteten Lernumgebung´.

 

2.    Einblick in die Praxis

Praktische Übungen mit Entwicklungsmaterialien für Arbeitsfelder wie Kinderkrippe, -tagesstätten, Frühförderung und verschiedene Schulen sowie der Bereich der Arbeit mit Menschen mit Behinderung

Didaktisch-pädagogische Einweisung in die Arbeit mit dem Sinnesmaterial, dem Rechenmaterial und dem Sprachmaterial

Ziele:

Theoretische Kenntnisse über wesentliche Prinzipien der Montessori-Pädagogik

Bewusstheit für die autonome Selbstentwicklungsfähigkeit und Selbstbildung  von Klienten aufgrund der Haltungsvorgabe „Hilf mir, es selbst zu tun“

Praktische Grundkenntnisse über die Entwicklungsmaterialien aus den Bereichen Übungen des Täglichen Lebens, der Sprache, der Mathematik sowie der Kosmischen Erziehung durch aktives Einüben und Ausprobieren von Material-Darbietungen

Übernahme von bedarfsgerechten und am Individuum orientierten Bildungsstrukturen

 

Methoden:

Kurzreferate, Texte (Studium aktueller Literatur) und Unterrichtsgespräche

Praktische Übungen in Einzel-, Paar- und Gruppenarbeit mit den didaktischen Materialien

Einsatz von Filmen zu den Bildungseinrichtungen Kinderhaus und Schule

Besuch einer Einrichtung

 

Leistungsnachweis:

·         Praktische Übung mit Vortrag

·         Hausarbeit

Was uns erschöpft, ist die durch Gleichförmigkeit erzwungene Nicht-Inanspruchnahme der Vielfalt unserer körperlichen und sinnenhaften Fähigkeiten und Kräfte. Was uns erfrischt und aufbaut, ist deren Inanspruchnahme

(Hugo Kükelhaus, 1900 – 1984,deutscher Künstler und Philosoph).

Dozentin: Gabriele Hornig